Buchtipp: Sin Patrón: Instandbesetzte Betriebe in Argentinien

Leben & Arbeiten ohne Chef und Staat: wenn davon die Rede ist, ernten Menschen, die dieser Idee anhängen zumeist Stirnrunzeln und verwirrte Blicke. Zu tief sitzt die Über-zeugung, dass es einer lenkenden Hand bedarf, welche von oben herab befiehlt was und wie produziert, wie gewohnt und gelebt wird. Das es auch anders zugehen kann, zeigten, wenn auch leider nur vorrübergehend, die Arbeiter*innen der Fahrradfabrik „STRIKE BIKE“ oder die zur Zeit wieder unter Druck seitens der Justiz stehende Fabrik „VIO-ME“ in Griechenland.

Das 2015 erschienene Buch „Sin Patrón, Herrenlos, Arbeiten ohne Chefs“, von Daniel Kulla übersetzt und mit einer Einführung versehen, widmet sich der Vorstellung der „fábricas recuperadas“ (am besten übersetzt als „instandbesetzte Betriebe“), welche nach dem Zusammenbruch der Wirtschaft Argentiniens im Jahre 2001 zu Hunderten entstanden sind. So ist es nur folgerichtig das die Originalausgabe in einem Kollektivbetrieb erschienen ist.

WEITERE INFOS VOM VERLAG:

Als Argentiniens Wirtschaft 2001 zusammenbrach, kam es zwar nur beinahe zur Revolution, aber Tausende Werktätige lernten, Betriebe unter eigener Kontrolle weiterzuführen. Heute gibt es mehrere hundert solcher Betriebe in Argentinien, zum Teil von der Regierung kooptiert, zum anderen Teil aber weiterhin im Aufstand – wie die Keramikfabrik FaSinPat (Zanon), in der nach wie vor alle den gleichen Lohn bekommen und alle die gleiche Stimme in der Vollversammlung haben, der höchsten Autorität im Werk.
Im Buch, im Original herausgegeben von einem Verlagskollektiv aus Buenos Aires, gibt es die Geschichten von 10 derartigen Instandbesetzungen, die in Argentinien „recuperación“ heißen: Wiederinbetriebnahme, aber auch Genesung. Von Aneignung ist meist gar nicht die Rede – die Betriebe gehören sowieso dem Volk. Und konsequenterweise versorgen viele fabricas recuperadas ihre Nachbarschaft mit speziellen öff entlichen Diensten wie Volksschulen und Benefi zveranstaltungen.
Übersetzt, aktualisiert und mit Praxisanregungen angereichert von Daniel Kulla.

„Ein aktueller Einblick in offene Fragen und die Ergebnisse kritischer Forschung runden das spannende Buch ab.“ Elisabeth Voss

Inhalt:

Vorwort des Übersetzers: „Aber doch nicht hier bei uns!“
Einleitung der Verlagskooperative: Werktätige einer Klasse für sich
Zehn Geschichten
1. Zanón/FaSinPat: Eine Abmachung, mit der wir leben können
2. Brukman: Ein Kampf, der Geschichte schrieb
3. Crometal: Metallarbeiter des 21. Jahrhunderts
4. Chilavert: Was man so alles tun muss, um arbeiten zu können
5. Sime: Steinbruch im Widerstand
6. Conforti: Der Aufstand der Maschinen
7. Renacer: Eine Explosion am Ende der Welt
8. IMECC: Die Reifen-Prophezeiung
9. Unión y Fuerza: Eine Lektion in zwei Worten
10. Comercio y Justicia: Zukunft und Ruhm
Interview mit Eduardo Murúa
Die Bewegung: Wissen teilen und Kräfte bündeln
Adrian Mengay, Maike Pricelius, Luciano Tepper
Analyse: Selbstverwaltung und kollektives Management – wie steht es um die Betriebe in Belegschaftshand
Literatur

QUELLE

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