SCHWARZER FREITAG IM OKTOBER: TARDI – SCHWARZ AUF WEISS

27.10.2017               20:00 UHR

IM FAU LOKAL


Tardi en noir et blanc, F 2006, 50 min, OmU, Regie: Pierre-André Sauvageot
tardi-poster_article-2Er ist einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der zeitgenössischen Comic-Kunst: Jacques Tardi. Der Regisseur Pierre-André Sauvageot hat ihm zwei Jahre lang über die Schulter geschaut. Tardi arbeitete in dieser Zeit an dem Band »Killer stellen sich nicht vor« (Le petit bleu de la côte Ouest/2005) nach dem Roman von Jean-Patrick Manchette und an »Das Geheimnis des Würgers« (Le secret de l’étrangleur/2006), eine Pierre Siniac-Adaptation. Auch unabhängig von den konkreten Werken portraitiert der Film Tardi in den Wegen seiner Recherchen, seiner Art zu arbeiten. Ein thematischer Schwerpunkt des Films sind überdies die Aufzeichnungen des Vaters zu Krieg und Kriegsgefangenschaft. Tardi ist noch in den Anfängen ihrer künstlerischen Umsetzung, erläutert das geplante Erzählverfahren und spricht darüber, wie sehr ihn das Vorhaben herausfordert und was ihn gleichzeitig schon Jahre zögern lässt. Zur Sprache kommen auch die Erlebnisse des Großvaters aus dem I. Weltkrieg und ihr Nachhall im Band »Grabenkrieg«.

 

Hintergrundtext: 

Hansi Oostinga – Der Comic-Zeichner Jacques Tardi: Der Stift als Waffe

Der „bédé“, der Comic, gehört zu Frankreich wie Wein, Käse und Generalstreik. Er ist Hochkultur, Trivialliteratur und Massenphänomen zu-gleich. Das schockierende Attentat auf die Satire-Zeitung Charlie Hebdo mag hierzulande vielleicht einen Eindruck davon hinterlassen haben, welch andere kulturelle – und politische – Stellung Cartoonisten und Comic-Zeichner jenseits des Rheins innehaben. Jacques Tardi, der in diesem Jahr 70 wird, zählt zu den ganz großen unter ihnen. Seine Comic-Bände erreichten Millionenauflagen, er selbst ist so bekannt wie hierzulande vielleicht ein Dieter Bohlen. 2012 wollte die französische Regierung ihm gar den Orden der Ehrenlegion, die höchste Ehrenbezeugung des Staates, verleihen. Der Anarchist Tardi lehnte – alles andere als dankend – ab, denn „man ist nicht besonders froh darüber, von Leuten geehrt zu werden, die man nicht mag“, wie er der Presse mitteilte.

Eine Anekdote aus seiner Schulzeit, die er dem Regisseur Pierre-André Sauveageot im Dokumentarfilm „Tardi – Schwarz auf Weiß“ anvertraute, verdeutlicht recht anschaulich, dass Tardis Vorstellungen schon früh in eine nicht sonderlich staatstragende Richtung gingen. So hätte sein Klassenlehrer einen Comic in seinem Ranzen gefunden und ihn wutentbrannt vor versammelter Klasse zerrissen. Der kleine Jacques war verwirrt, hatte aber auch eine neue Leidenschaft entdeckt: „Ich sagte mir, dass es subversiv sein müsse, damit er so was macht. Und das gefiel mir.“

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