Rudolf Rocker rockt (und rockt) noch immer

WER NICHT HÖREN WOLLTE „MUSS“ NUN LESEN

Am 14.12.2017 gab es an dieser Stelle einen Hinweis auf das Radiointerview zum Thema RUDOLF ROCKER – nun gibt es dieses auch zum nachlesen:

 

Monika Kupczyk und Bernd Drücke im Gespräch mit der Autorin Emmelie Öden

Die Geschichte der Gewerkschaftsbewegungen ist eng mit dem Namen Rudolf Rocker verknüpft. Rocker war einer der bedeutendsten Theoretiker des Anarcho-Syndikalismus, Aktivist der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) und Verfasser u.a. der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus“. Die FAUD löste sich kurz vor der Machtergreifung der NSDAP auf, um ihre Mitglieder zu schützen.

Rocker floh in die USA. Die anarchistische Bewegung in Deutschland wurde in zwölf Jahren Nazidiktatur zerschlagen. Auch an diesen vergessenen Teil der Geschichte erinnerten die FAU Münsterland und die Redaktion der Graswurzelrevolution (GWR) am 25. November 2017 bei einer gemeinsamen Veranstaltung in Münster. Als Referentin hatten sie Emmelie Öden (*1991) aus Mainz eingeladen. Die Autorin der Broschüre „Proletarisches Mainz. Der Rudolf Rocker-Stadtführer“ (1) nahm die TeilnehmerInnen mit auf eine virtuelle Stadtführung und stellte Rocker und die damalige Arbeiterbewegung vor. Am 26. November interviewten Monika Kupczyk von der FAU Münsterland und GWR-Redakteur Bernd Drücke die Autorin im Studio des Medienforums Münster. Die Radio-Graswurzelrevolution-Sendung wurde am 15.12.2017 im Bürgerfunk auf Antenne Münster ausgestrahlt. Sie kann in der Mediathek der Bürgermedienplattform angehört werden. (2) Wir drucken eine überarbeitete Kurzfassung. Eine um weitere Fragen und Antworten ergänzte Version des Interviews erscheint voraussichtlich im Oktober 2018 in dem von Bernd Drücke herausgegebenen Buch „Anarchismus Hoch 4“ im Unrast-Verlag. (GWR-Red.)

 

Monika Kupczyk: Wie bist du eigentlich auf das Thema gekommen? Warum Rudolf Rocker?

 

Emmelie Öden: Rudolf Rocker ist ja nicht nur ein bedeutender Anarchist, sondern vor allem ein herausragender Theoretiker und auch Praktiker des Anarchosyndikalismus. Insofern bin ich, dadurch dass ich mich mit dem Anarchosyndikalismus beschäftigt habe, zwangsläufig auf Rudolf Rocker gestoßen, der nicht nur für Deutschland wichtig ist, sondern gerade auch international eine große Rolle spielte und spielt. Interessanterweise ist er im englischsprachigen und auch im spanischsprachigen Raum bekannter als in Deutschland selbst.

 

Monika: Wo hast du für die Broschüre recherchiert?

 

Emmelie: Rudolf Rocker hat ausführliche Memoiren geschrieben. Ich unterstelle ihm, dass er beim Schreiben im Hinterkopf hatte, dass sie vielleicht mal veröffentlicht werden könnten, weil sie nicht so privat geschrieben sind, wie man es von einem Tagebuch kennt. Diese Memoiren gibt es im Internationalen Institut für Sozialgeschichte (IISG) in Amsterdam. Dort kann man die „Rudolf Rocker Papers“ als Nachlass anfordern und kriegt sie als Digitalisat zugeschickt. Teilweise sind diese Memoiren im Suhrkamp-Verlag veröffentlicht worden, aber nur eine Auswahl. Die gesamten Memoiren habe ich für die Broschüre durchgearbeitet, das war meine Hauptquelle. Es werden viele Adressen genannt und man weiß meist direkt, wo was stattgefunden hat. Das war für den Stadtführer, den ich gemacht habe, hilfreich. Als Ergänzung habe ich in den zeitgenössischen Tageszeitungen gestöbert, vor allem in der sozialdemokratischen Zeitung von damals, der „Mainzer Volkszeitung“, in der Rudolf Rocker als Jugendlicher oft erwähnt wurde. Anfangs durchaus positiv, später dann weniger, da er sich im Clinch mit der Partei befunden hat, aber seinen Namen findet man doch des Öfteren.

 

Bernd Drücke: Was bedeutet der Anarchosyndikalismus für dich?

 

Emmelie: Anarchosyndikalismus ist in erster Linie eine Gewerkschaftsbewegung. Historisch betrachtet kann man seine Ziele und Ideen am besten verstehen: Er ist aus einer Gewerkschaftsbewegung heraus entstanden, die gesagt hat: „Wir wollen keine zentralistische Gewerkschaft in dem Sinne, dass die Funktionäre von oben entscheiden, wann was gemacht wird, sondern wir wollen uns basisdemokratisch auf einer Ebene gemeinsam gleichberechtigt organisieren.“ Das verschmilzt zusammen mit der Idee des Anarchismus von Herrschaftslosigkeit und Selbstbestimmung. Die anarchosyndikalistische Gewerkschaftsbewegung ist somit zweiteilig. Wir haben zum einen die Ziele, die auch die Gewerkschaften, die man sonst so kennt, eigentlich haben sollten, also konkrete Verbesserungen im Hier und Jetzt, höhere Löhne, bessere Arbeitszeiten und Bedingungen allgemein; zum anderen aber eben auch was der Anarchismus fordert: perspektivisch eine freie Gesellschaft, in der Menschen ohne Zwang miteinander leben können.  (:::)

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