Der 1. Mai 2018 in Bielefeld und Dortmund – Ein Rückblick aus der Perspektive eines FAU-Gewerkschafters


Der diesjährige 1. Mai begann für die FAU Bielefeld bereits am 30. April. An diesem Montag um 17 Uhr versammelten sich die FAU-Basisgewerkschafter und zwei jüngere Menschen im FAU-Lokal in der Metzer Straße und gingen gemeinsam zur „Antikapitalistischen Demonstration“ am Bielefelder Hauptbahnhof.

 


Angemeldet und organisiert wurde die Demonstration von der Gruppe Antinationale Linke Bielefeld (Alibi). Die Demonstration fand unter dem Motto „Über die Verhältnisse leben“ statt und zielte inhaltlich auf die Überwindung der Lohnarbeit im Kapitalismus ab. Die FAU-Genoss*innen und eine große Anzahl an Menschen aus den antifaschistischen, anarchistischen, libertär-kommunistischen und kommunistischen Strömungen hörten zahlreichen Redebeiträgen, z. B. zur feministischen Kritik an der ungleichen Verteilung von Lohn- und Reproduktionsarbeit im Kapitalismus, zu und spazierten durch die Bielefelder Innenstadt.

Am 1. Mai trafen sich FAU-Genoss*innen erneut im FAU-Lokal und gingen gemeinsam um 12.30 Uhr in den Ravensberger Park, um dort die Sonderausgabe zum 1. Mai der Gewerkschaftszeitung „Direkte Aktion“ der FAU zu verteilen. Im Ravensberger Park verteilten wir die Zeitung und andere Materialien an interessierte Besucher*innen, diskutierten mit politischen Aktivist*innen und Parteiangehörigen, z. B. der DKP und der SPD, und aßen und tranken. In diversen Gesprächen konnten wir auf unsere Veranstaltungen, Ziele und Bündnisbereitschaft verweisen.

Um 15.30 Uhr fuhren drei Genossen der FAU Bielefeld mit dem Zug zur anarchistischen 1. Mai Demonstration in Dortmund. Zunächst gingen wir dort zum anarchistischen Buchladen und Kulturzentrum Black Pigeon in der Scharnhorststraße. Dort versammelten sich zahlreiche junge Menschen, um gemeinsam mit der Straßenbahn zum Sonnenplatz zu fahren. Am Sonnenplatz versammelten sich Genoss*innen der FAU Duisburg, der FAU östliches Ruhrgebiet, der FAU Köln, der Anarchistischen Gruppe Dortmund (AGDO), von AK442 – Anarchistisches Kollektiv 442 aus Dortmund, der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA), des Netzwerkes Make-Amazon-Pay, freiheitlich-kommunistischer Gruppen und weitere Menschen. Um 18 Uhr wurde die Demonstration mit drei Reden zum transnationalen Arbeitskampf bei Amazon und zur Lohnarbeit im digitalisierten Kapitalismus (Netzwerk Make-Amazon-Pay), zur Möglichkeit und Notwendigkeit anarchistischer Organisierung in Föderationen und Basisgewerkschaften (Anarchistischen Gruppe Dortmund (AGDO)) und zum Zusammenhang zwischen Kindheit, Jugend, Schule und Kapitalismus (AK442 – Anarchistisches Kollektiv 442) gehalten. Der anschließende Demonstrationszug war durch zahlreiche Redebeiträge und Informationen zu Dortmunder Stadtteilen und der dortigen sozialen Lage geprägt. Dabei wurde immer wieder darauf verwiesen, inwiefern sich die anarchistische Bewegung vor Ort durch Ansätze selbstorganisierter Stadtteilarbeit einbringt und dies zukünftig weiter tun könne. Die Demonstration endete am anarchistischen Buchladen und Kulturzentrum Black Pigeon in der Scharnhorststraße mit drei Reden der FAU Duisburg, einer anarchistischen Tierbefreiungsorganisation und einer freiheitlich-kommunistischen Gruppe. Gegenstand dieser Reden waren die Kritik an der standortnationalistischen und sozialpartnerschaftlichen Politik des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), die Kritik am kapitalistischen Mensch-Tier-Verhältnis und der Ausbeutung von Tieren und Menschen im Kapitalismus und schließlich die Dimensionen basisgewerkschaftlicher Organisierung in Betrieben durch FAU-Gewerkschafter*innen. Insgesamt können wir die Dortmunder Demonstration als eine erfreuliche Mobilisierung der anarchistischen und basisgewerkschaftlichen Bewegung verbuchen. Was daraus im Ergebnis für die Mitgliedergewinnung folgt, bleibt abzuwarten.

Wie ist dieser 1. Mai zu beurteilen?

Am 1. Mai als zentralem symbolpolitischen Gedenk-, Feier- und Kampftag der weltweiten Arbeiter*innenbewegung konnte die FAU Bielefeld zumindest Präsenz nachweisen. Wir konnten uns an den durchaus gelungenen antikapitalistischen (30. April) und anarchistischen (1. Mai in Dortmund) Mobilisierungen erfreuen. Ob wir dadurch erstens unsere Akzeptanz und Attraktivität im Alltag sowohl in Bielefeld als auch in Dortmund steigern konnten bleibt abzuwarten. Zweitens müssen wir beobachten, ob wir aus diesen zwei Tagen positive Effekte für unsere alltägliche Gewerkschaftsarbeit ziehen können, denn Fakt bleibt, dass die praktische wie theoretische Kritik an der Lohnarbeit im Kapitalismus und die Notwendigkeit basisgewerkschaftlicher Organisierung oftmals einen begrenzten Kreis an Menschen erreicht respektive überzeugt und zur Selbstorganisierung motiviert.

Eure FAU Bielefeld

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