[Das Feature im Deutschlandfunk] Drei Frauen und ihre Ideale – Anarchistinnen

Jedes Individuum ist frei. Auch in der Liebe. Das ist für Julia aus Berlin und Nathalie aus Valencia Anarchie, nicht Chaos und Zerstörung. So versuchen sie zu leben. Ihr Vorbild ist die Anarcho-Syndikalistin Federica Montseny. Sie war 1936 Ministerin¹ in der spanischen Republik und wollte nichts weniger als eine bessere Welt.

 


Julia war in den 90er-Jahren Punk. Sie hat sich linken Gruppierungen angeschlossen. Sie hat studiert, die prekäre Akademikerarbeitswelt kennengelernt. Heute ist sie organisierte Anarcho-Syndikalistin in der FAU, der Freien Arbeiter*innen Union, im Berliner Wedding. Sie engagiert sich in der „Sektion Medien“ und in der Gender-AG.

Auch die Spanierin Nathalie war Punkerin. Sie hat Jura studiert – „aus Berufung“ wie sie sagt –  und sich auf Strafrecht und geschlechtsspezifische Gewalt spezialisiert.

Die spanische Anarchistin Nathalie. (Deutschlandradio / Rilo Chmielorz)

Nathalie ist in Valencia Mitglied in der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft CGT und aktiv bei den „Dones Lliures“, den „Freien Frauen“, die es schon 1936 gab.

Eine der führenden Anarcho-Syndikalistinnen jener Zeit war Federica Montseny.

Die zwei Tage zuvor nach 38-jährigem Exil in Frankreich nach Spanien zurückgekehrte Politkerin Federica Montseny nimmt am 30. Mai 1977 in der Stierkampfarena von Barcelona an einer Kundgebung der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft CNT teil. Montseny war in der republikanischen Regierung während des Spanischen Bürgerkriegs die erste Frau Spaniens, die ein Ministeramt bekleidete. (picture-alliance / dpa)Federica Montseny, Politikerin und Anarcho-Syndikalistin. (picture-alliance / dpa)

In der republikanischen Regierung wurde Montseny Ministerin¹ – als erste Frau im westlichen Europa. Sie war zuständig für Gesundheit und Soziales, mitten im Bürgerkrieg. Damals zählte die anarchistische Gewerkschaftsbewegung in Spanien zwei Millionen Mitglieder.

Der Begriff Anarchismus wird heutzutage oft mit Anomie gleichgesetzt. Julia versteht sich genauso wenig wie Nathalie und Federica als Verfechterin von Zerstörung und Regellosigkeit. Für sie heißt Anarchismus: Globales Gemeinwohl. Solidarität. Gerechtigkeit. Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit.

Produktion: Dlf/SWR 2018

QUELLE: Deutschlandfunk


¹Para nosotros, que siempre habíamos batallado contra el Estado; las palabras Gobierno y Autoridad significan la negación de toda posibilidad de libertad para el individuo y los pueblos. Nuestra incorporación en calidad de organización y como individuos, a un programa de
Gobierno, sólo podía significar un acto de osadía histórica de fundam ental importancia y a la vez táctica. Acepté venciéndome a mí misma. Fue de ese modo como entré a formar parte del
Gobierno y me trasladé.

https://www.portaloaca.com/historia/biografias/441-federica-montseny-y-las-contradicciones-del-paradigma-libertario.html


Wir Anarchisten haben ja immer gegen den Staat gekämpft. Die Worte “Regierung” und “Autorität” bedeuten ja eine Verneinung der Freiheit für das Individuum und für das Volk. Dass wir uns damals als Cenetistas der Regierung angeschlossen haben, das war Kühnheit, das war Taktik und war vor allen Dingen den politischen Umständen geschuldet.Ich habe schließlich den Posten akzeptiert,weil ich von der Notwendigkeit überzeugt war.

[Original & Übersetzung – Seite 6 ] 28.07.2018

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