Avon Distribution: Keine Zustimmung zu Lohnkürzungen und einem längeren Abrechnungszeitraum

Der Vorstand des Betriebsausschusses bei Avon Distribution mit der Petition zur Unterstützung der Gewerkschaftsforderungen

Sonntag, 10. Mai 2020/Region: Masowien

Seit Mitte April laufen die Verhandlungen zwischen dem Vorstand von Avon Distribution und dem Ausschuss der Inicjatywa Pracownicza über die Einführung von Maßnahmen gemäß des sog. „Antikrisenschilds“ der Regierung. Die Gewerkschaftsmitglieder lehnen die von der Firma vorgeschlagenen Lohnkürzungen und eine Verlängerung des Abrechnungszeitraums ab – stattdessen verlangen sie u. a. eine Verringerung der Lohnungleichheit, eine Beschäftigungsgarantie für ein halbes Jahr sowie die Abschaffung der Zwölfstundenschichten. Am 5. Mai übergaben sie der Geschäftsleitung eine Petition zur Unterstützung ihrer Forderungen, die 161 der ca. 350 Beschäftigten der Firma unterzeichnet hatten.


Mitte April schlug der Avon-Vorstand dem IP-Ausschuss eine Vereinbarung zur Unterschrift vor, die folgendes beinhaltete:

  • eine Kürzung der Gehälter und der Arbeitszeit um 20% (mit der Möglichkeit für den Arbeitgeber, die Arbeitszeit einseitig zu ändern)
  • eine Verlängerung des Abrechnungszeitraums von drei auf sechs Monate
  • eine Aussetzung der meisten Bestimmungen der Entgeltordnung
  • eine Beschäftigungsgarantie für einen Zeitraum von drei Monaten, allerdings nur unter der Voraussetzung einer staatlichen Finanzhilfe

Diese Änderungen würden ausschließlich die am geringsten entlohnten Arbeiter*innen betreffen, wie: Lagerist*innen, Instandhaltungsmechaniker*innen oder Kommissionierer*innen. Der „Schild“ würde also weder die Führungskräfte noch Teile der Büroangestellten umfassen.

Die Gewerkschafter*innen der Inicjatywa Pracownicza verweigerten eine Unterzeichnung dieser Vereinbarung. Stattdessen beantragten sie bei der Firma Auskunft über die Finanzlage und verwiesen auf die Möglichkeit, durch einen Umsatzrückgang verursachte Verluste mithilfe des Reservekapitals und der Vorjahreserträge zu decken. Nach Berechnungen der Ausschussmitglieder würde es das Avon Distribution zur Verfügung stehende Reservekapital erlauben, die Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Beschäftigungsstandes und der derzeitigen Entlohnung über einen Zeitraum von ungefähr fünf Jahren zu finanzieren.

Die Gewerkschaft legt auch eine Fassung der Vereinbarung vor, in welcher sie dem Beitritt zum Schild unter etwas abweichenden Konditionen zustimmt. Danach soll das Gehalt der Arbeiter*innen um 10% gekürzt werden (weil ein niedrigeres Gehalt bedeuten würde, dass manche von ihnen deutlich unter 2600 brutto fallen). Des Weiteren schlägt die Gewerkschaft der Firma vor, für sechs Monate auf Entlassungen zu verzichten und während der Dauer des Schildes von Zwölfstundenschichten abzusehen. Das Ansinnen einer Verlängerung des Abrechnungszeitraums und der teilweisen Aussetzung der Entgeltordnung wurde kategorisch zurückgewiesen. Die Gewerkschaft spricht sich auch gegen eine einseitige Änderung des Zeitraums mit reduzierten Arbeitszeiten aus.

Der Gewerkschaftsvorschlag wurde von der Firma vorerst nicht angenommen, und im Verlauf der Gespräche machten Andeutungen von Gruppenentlassungen die Runde. Ein Mitglied der Inicjatywa Pracownicza resümierte, dass während der Gespräche von Seiten des Vorstands die Aussage fiel, „entweder unterschreibt Ihr die Vereinbarung, oder wir werden kündigen“. In Erwiderung dessen organisierte die Gewerkschaft eine Unterschriftensammlung für eine Petition zur Unterstützung ihrer Forderungen – daran beteiligten sich mehr als 50% der Gesamtbelegschaft, was ein klares Signal an den Vorstand ist, dass der Gewerkschaftsvorschlag nicht nur von den in der Inicjatywa Pracownicza organisierten Arbeiter*innen mitgetragen wird.

Es muss hier betont werden, dass Avon eine Firma ist, die in ihren offiziellen Werbematerialien die Sorge um die Lage der Frauen sehr stark hervorhebt. An einer Stelle kann man z. B. lesen, dass:

„(…) Schon ab 1886 unterstützt Avon den Unternehmergeist der Frauen und gibt ihnen die Möglichkeit der Arbeit zu ihren eigenen Bedingungen. Die Firma half ihnen, wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erlangen, noch bevor sie das Stimmrecht erhielten.“

Die Gewerkschaftsmitglieder der Inicjatywa Pracownicza kommentieren das folgendermaßen: „Noch vor kurzem rühmte sich die Firma, täglich den Frauentag zu feiern, und jetzt unterteilen sie diese Frauen in bessere und schlechtere, nehmen denen einen Großteil des Lohns, welche am wenigsten verdienen.“

Dennoch gibt die Belegschaft von Avon nicht auf und beabsichtigt nicht, einer nachteiligen Vereinbarung im Rahmen des „Schilds“ oder Entlassungen zuzustimmen. In den nächsten Wochen entscheidet sich also, wer für die durch das Coronavirus hervorgerufene Krise aufkommt.

http://ozzip.pl/informacje/mazowieckie/item/2650-avon-nie-ma-zgody-na-obnizke-plac-i-dluzszy-okres-rozliczeniowy



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Die ICL bringt eine Reihe von anarchosyndikalistischen und revolutionären Gewerkschaften aus der ganzen Welt zusammen. Es ist aus ihrem Wunsch heraus entstanden, enger zusammenzuarbeiten und ihrer lokalen Arbeit eine internationale Dimension hinzuzufügen, die es ihnen ermöglicht, sich mit Genossen auf der ganzen Welt zu koordinieren und ihre Kämpfe einem globalen Publikum sichtbar zu machen.

 

 



 

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