IHK Bielefeld: Kein „HomeSchooling“ für Risikopatienten?

FAU schütztDie Umschulung begann mitten in der Hochzeit der Pandemie und ohne Probleme konnte dem Unterricht von zu Hause gefolgt werden. Kein Wunder: handelt es sich doch um eine Lernform, bei der die Schüler*innen dem Unterricht virtuell folgen. Eine Bildkonferenz bildet einen virtuellen Klassenraum in dem sich dann die Teilnehmer*innen aus ganz Deutschland zuschalten.
Geradezu prädestiniert für eine Unterrichtsform an der sich auch Menschen beteiligen können, die aus den unterschiedlichsten Gründen auf Abstand zu ihren Mitmenschen gehen (müssen). Einer dieser Gründe ist das Coronavirus. Auch wenn ein Gemenge aus Nazis, Verschwörungstheoretiker*innen, Reichsbürgern, Antisemiten usw. in Berlin unlängst das Vorhandensein des Virus leugneten, ist die durch das Coronavirus erzeugte Lungenkrankheit Covid19 ein Fakt. Bei Covid19 handelt es sich um eine Erkrankung, deren Verlauf wegen der Neuheit dieser Viren nicht abzuschätzen ist. Im Besonderen gilt das für Risikopatienten mit Vorerkrankungen.
Zu diesen Vorerkrankungen gehören im besonderen Erkrankungen der Atemwege wie COPD, Asthma, Lungenfibrose, aber auch Herzerkrankungen und Diabetes. Bei Menschen mit Vorerkrankungen kann eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu schwersten Erkrankungen der Atemwege bis hin zum Tod führen. Aufgrund dieser schwer einschätzbaren Gefährdungslage gilt es Menschen, besonders jene mit Vorerkrankungen, weitestgehend vor Risiken zu schützen.
Was uns an dieser Stelle wieder einen Anknüpfungspunkt an den Anfang unseres offenen Briefes verschafft: Seit Anfang August herrscht Anwesenheitspflicht für die Umschüler*innen des Bielefeld-Standortes der ComCave College GmbH. Andere Niederlassungen des Bildungsträgers gewähren den Schüler*innen den Unterricht von zu Hause aus zu folgen, nur in Bielefeld gilt die ausnahmslose Regelung. Bei Verstößen wird trotz Teilnahme am Unterricht die Zeit, die nicht am Standort verbracht als Fehlzeit verbucht, auch wenn von Zuhause dem Unterricht gefolgt wird.
Bei einer Regelung, welche besagt das eine Teilnahme an der Abschlussprüfung ab einer Fehlzeitenquote von 10% nicht mehr möglich ist, müssen Teilnehmer*innen der Umschulung abwägen was ihnen wichtiger erscheint: ihre berufliche Zukunft oder die Wahl das Risiko einer Erkrankung nicht eingehen zu wollen. Bei der Präsenzpflicht handelt es sich um eine reine Vorgabe der IHK Bielefeld, andere Niederlassungen der Kammer haben sich besser auf die Ausnahmesituation eingestellt und gewähren ihren Schüler*innen die Möglichkeit, diesem zusätzlichen, nicht nötigen Risiko, aus dem Weg zu gehen. Und dem Unterricht im Home-Office zu folgen.
Die Sturheit der IHK Bielefeld zeigt mal wieder die Starre und Strenge, welche hierarchischen Gebilden so oft zu eigen ist. Die Ansagen kommen von oben und „Das ist halt so“, eine Mitwirkung an Entscheidungen, die die Menschen persönlich betreffen ist nicht möglich.
Als basisdemokratische Gewerkschaft mit gesamtgesellschaftlichen Anspruch fordern wir die IHK Bielefeld zu einer Stellungnahme auf.
Anmerkung: Was wir nicht wollen ist Panik zu verbreiten und Dinge über zu dramatisieren. Bei dem Corona-Virus und der davon ausgelösten Krankheit Covid19 handelt es sich aber um einen unerforschten Bereich und ein Risiko ist nicht auszuschließen. Dieses zu minimieren und Risiken auszuschließen, welche nicht zwingend eingegangen werden müssen, da es eine gute Alternative dazu
gibt ist Aufgabe einer solidarischen Gemeinschaft.

FAU Bielefeld, 07.09.2020

Metzer Straße 20 | 33607 Bielefeld | faubi-kontakt@fau.org
http://bielefeld.fau.org/ | 0521 78440978

Gewerkschaftliche Beratung im FAU – Lokal:
jeden ersten Donnerstag im Monat von 18 -20 Uhr und nach Vereinbarung

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