Amazon entlässt eine geschützte Inicjatywa Pracownicza-Vertrauensfrau. Amazon soll dafür bezahlen!

Am 9. November 2021 hat Amazon Polen Magda Malinowska gekündigt, die
seit sechs Jahren in dessen Logistikzentrum in Sady bei Poznań
gearbeitet hat. Magda ist eine geschützte Gewerkschaftsvertreterin und
Mitglied der Inicjatywa Pracownicza (IP)sowie eine gewählte
Arbeitsschutzinspektorin. Sie ist eine langjährige Aktivistin der
Inicjatywa Pracownicza, dreht Dokumentarfilme über die
Arbeiter*innenbewegung und ist Mitbegründerin der Amazon Workers
International.

Amazon führt als formalen Grund für die Entlassung das angebliche
„Filmen oder Fotografieren des Überführens einer Leiche“ an. Dabei
geht es vermutlich um einen Mann, der am 6. September 2021 in dem
Lagerhaus starb. In einem laufenden Gerichtsverfahren wird untersucht,
ob Fahrlässigkeit seitens des Unternehmens dazu beigetragen hat. Die
Anschuldigung gegen die Gewerkschafterin ist völlig unbegründet. Magda
Malinowska war als anerkannte Arbeitsschutzinspektorin besorgt, dass
nach dem Tod des Kollegen die ordnungsgemäßen Maßnahmen ergriffen
wurden. Aus diesem Grund bat sie Amazon um Aufnahme in das Team für
die Unfallnachsorgemaßnahmen, was jedoch abgelehnt wurde. Sie hatte
kein Interesse daran, eine Leiche zu filmen oder zu fotografieren,
wollte aber die vom Arbeitgeber getroffenen Maßnahmen im Falle von
Unregelmäßigkeiten überwachen.
Auf englisch oder im polnischen Original lesen.

Einige Tage nach der Tragödie wies Magda Malinowska in einem Interview
mit der Zeitung Gazeta Wyborcza
(https://poznan.wyborcza.pl/poznan/7,36001,27702542,w-amazon-najwazniejsze-sa-tabelki-z-wynikami-maja-sie-zgadzac.html?disableRedirects=true)
darauf hin, wie die Arbeitsorganisation bei Amazon zum Verlust der
Gesundheit oder sogar des Lebens von Mitarbeiter*innen führen kann,
und warum das Ereignis Anfang September nach Ansicht der Gewerkschaft
als Arbeitsunfall betrachtet werden sollte: „Die Geschäftsleitung
spricht gerne von einem ‚unangenehmen Zufallsereignis‘, während es in
Wirklichkeit innerhalb kurzer Zeit zwei Todesfälle unter unseren
Mitarbeiter*innen gegeben hat. Dies sind keine zufälligen Ereignisse,
sondern eine Folge der Art und Weise, wie die Dinge hier gehandhabt
werden. Wäre die Unternehmenspolitik anders gewesen, wäre es
vielleicht nicht zu den Todesfällen gekommen“. Der Journalist, der den
Artikel verfasst hat, wies auf die Kommentare und Unregelmäßigkeiten
hin, die von Amazon-Beschäftigten und den Gewerkschaften gemeldet
wurden: übermäßige Arbeitsbelastung, Überlastung und die Angst vor dem
Verlust des Arbeitsplatzes, wenn mensch sich krankschreiben lässt.

Die Entlassung ist umso skandalöser, als sie gegen die schriftlichen
Einwände der Gewerkschaft ausgesprochen wurde, die damit nicht
einverstanden war. Unserer Meinung nach hat Amazon in grober Weise
gegen die Bestimmungen des Gewerkschaftsgesetzes (Artikel 32, Absatz
1) und des Gesetzes über die soziale Arbeitsaufsicht (Artikel 13,
Absatz 1) verstoßen. Wir sehen uns gezwungen, das Vorgehen von Amazon
als Beweis für grobe Inkompetenz der Personalabteilung oder als
bewussten Versuch zu interpretieren, Gewerkschaftsaktivitäten
(einschließlich der Arbeitsschutzinspektion) zu behindern. Wir werden
den Fall vor Gericht bringen, wo wir die sofortige Wiedereinstellung
von Magda Malinowska sowie eine finanzielle Entschädigung wegen
ungerechtfertigter und unrechtmäßiger Entlassung fordern.

Wir glauben, dass die Disziplinarmaßnahmen gegen Magda Malinowska eine
Eskalation der gewerkschaftsfeindlichen Praktiken von Amazon in den
letzten Monaten darstellen. Amazon hat sich geweigert,
Gewerkschafter*innen die Durchführung von Gesundheits- und
Sicherheitsaudits zu gestatten, es hat sie daran gehindert, ihre
Gewerkschaftsstunden zu nutzen, und hat die Bestimmungen der
Arbeitsvorschriften des Unternehmens einseitig geändert und dabei die
Ansichten der beiden im Unternehmen tätigen Organisationen Inicjatywa
Pracownicza und Solidarność missachtet, die beide den jüngsten
Änderungen, die die Arbeiter*innen betreffen, nicht zugestimmt haben.
Nach polnischem Arbeitsrecht ist es den Arbeitgeber*innen nicht
gestattet, diese Vorschriften ohne die Zustimmung der Gewerkschaften
zu ändern. Darüber hinaus werden aktive Gewerkschafter*innen
regelmäßig aufgefordert, schriftliche Erklärungen für angebliche
Verstöße gegen die Richtlinien von Amazon vorzulegen. Es scheint, dass
das Unternehmen den Gewerkschaftsaktivist*innen „Verstöße“ ankreidet,
um diese gegen sie zu verwenden.

Beabsichtigt Amazon, die Unterdrückung von Gewerkschafter*innen weiter
zu verschärfen, um Arbeiter*innenorganisationen zu beseitigen? Seit
2014 haben die Gewerkschaften den Beschäftigten geholfen, eine Reihe
von Klagen gegen das Unternehmen zu gewinnen, die
Arbeitsschutzpraktiken des Unternehmens zu verbessern und vor allem
viele arbeiter*innenfeindliche Maßnahmen zu blockieren, die Amazon
einzuführen versucht hat. Letzten Sommer forderten die
Arbeitsschutzinspektor*innen Amazon auf, seine Energieverbrauchsstudie
neu zu erstellen. Der Grund dafür waren die Ergebnisse von Tests, die
zuvor von der nationalen Arbeitsaufsichtsbehörde durchgeführt worden
waren und die zeigten, dass einige Abteilungen des Unternehmens
dreimal mehr Energie verbrauchten als die gesetzlichen Höchstwerte.
Amazon focht die Ergebnisse vor Gericht an und lehnte die Forderung
nach einer erneuten Prüfung ab. Die Gewerkschaften fordern, dass das
Leben und die Gesundheit der Arbeiter*innen nicht im Namen der
Gewinnsteigerung aufs Spiel gesetzt werden. Hat Amazon deshalb
beschlossen, seine gewerkschaftsfeindliche Politik aggressiv zu
verschärfen?

Wir fordern die Wiedereinstellung von Magda Malinowska! Wir fordern
ein Ende der gewerkschaftsfeindlichen Kampagne von Amazon! In
Anlehnung an den Slogan der internationalen Koalition „Make Amazon
Pay“ erklärt die Inicjatywa Pracownicza: Amazon – du wirst dafür
bezahlen!

Inicjatywa Pracownicza bei Amazon Fulfillment Polen
15. November 2021

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