Libertärer Sozialismus statt Nationalismus – Ein anarchistischer Blick auf den katalanischen „Separatismus“


Kommentar von Bernd Drücke, aus: Graswurzelrevolution Nr. 423, November 2017


 

Wenn ich nach Katalonien blicke, mache ich mir als Westfale Gedanken, was wohl passieren würde, wenn sich Westfalen vom Rest des Landes abspalten würde. Würde dann im Rheinland die Anarchie ausbrechen? Oder doch nur wieder der Karneval?

Nein, im Ernst, ich strebe einen Libertären Sozialismus an. Anarchie ist für mich nicht Regellosigkeit, sondern die „höchste Form von Ordnung“, eine solidarische Gesellschaft, gewaltfrei und herrschaftslos. Ziel des Anarchismus ist eine vielfältige, menschen- und umweltfreundliche Gesellschaft, die im Gegensatz zum Kapitalismus nicht auf Ausbeutung, Gewalt, Spaltung und Konkurrenz setzt, sondern auf die Prinzipien der Gegenseitigen Hilfe, Gleichheit und freien Assoziation. In unserer Utopie ist kein Platz für Grenzen, Rassismus, Sexismus und Patriotismus.

Ich lehne jeden Nationalismus ab, sei er nun deutscher, spanischer oder katalanischer Prägung. „Separatismus“ ist letztlich auch eine Form von Nationalismus, zu Ende gedacht inklusive neue Grenzen, neue Staaten, neue Abspaltungen, Ausgrenzungen und Staats-Gewalt. Bringt das die Menschen in Katalonien und Spanien weiter? Wie soll uns das einer ohne Herrschaft und Grenzen funktionierenden solidarischen Gesellschaft näher bringen?

In meinen Augen ist es skurril, dass auch einige AnarchistInnen glauben, der katalanische Nationalismus sei zu unterstützen und emanzipatorisch. Auch wenn der Katalonien-Kenner Raul Zelik meint, die katalanische Nationalbewegung wäre „eher links“, warum sollte ein katalanischer Nationalstaat weniger schlimm sein als der spanische?

Auch der spanische Nationalismus ist ein Übel

Die Gewaltexzesse der Guardia Civil bzw. des Spanischen Staates und die Kommunikationsverweigerung der spanischen Regierung sind aufs Schärfste zu verurteilen. Der auch von den anarchosyndikalistischen Gewerkschaften CNT und CGT getragene Generalstreik in Katalonien war dagegen eine angemessene, gewaltfreie Antwort auf die Repression des Staates. Es ist ermutigend, dass sich am 3. Oktober 2017 Millionen Menschen an dieser Direkten Gewaltfreien Aktion beteiligt haben.

 

HIER WEITER:

Situation in Katalonien: gemeinsame Stellungnahme der CGT, Solidaridad Obrera & CNT

Joint statement from October 26, 2017 by CGT, Solidaridad Obrera and CNT about the situation in Catalonia.

Originally published by CNT. Translated by Enough is Enough


As signatory organizations, unions at state level, we share our concern about the situation in Catalonia, the repression that the state has unleashed, including the diminution of rights and freedoms and the rise of a stale nationalism which is appearing again in much of the state.
We defend the emancipation of all the working people of Catalonia and the rest of the world. Perhaps, in this context, it is necessary to remember that we do not understand the right to self-determination in a statist way, as nationalist parties and organizations proclaim, but as the right to self-organization of our class in a given territory.  Thus understood, self-determination passes more by control of production and consumption by workers and by direct democracy from the bottom up, organized according to federalist principles, than by the establishment of a new frontier or the creation of a new state.
As internationalists, we understand that solidarity among working people should not be limited to state borders, so we are not really concerned where these are drawn.

VERANSTALTUNG: POLITISCHER STREIK

Angesichts der Krise und Diffamierung der politischen Mobilisierung aus der radikalen Linken heraus, angesichts der weitgehenden Zurückhaltung der Lohnabhängigen gegenüber wilden Streiks und Solidaritätsstreiks in Deutschland und angesichts der Verabschiedung des „Gesetzes zur Tarifeinheit“ der großen Koalition wollen wir die Idee des Politischen Streiks aufgreifen, um möglichst viele Menschen für eine politisch eingreifende Gewerkschaftsbewegung zu mobilisieren.

ES LADEN EIN:

ROSA LUXEMBURG CLUB BIELEFELD

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  AG FREIE BILDUNG

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 BÜRGERWACHE BIELEFELD

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FREIE ARBEITER*INNEN UNION BIELEFELD

 

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LabourNet Germany: Brasilianische Putschregierung will den Kampf gegen Sklavenarbeit beenden

Einer der deutschen Profiteure heißt Haribo

Die nicht gewählte brasilianische Regierung hat einen weiteren Schritt zur Umsetzung des Wunschprogramms der Unternehmerverbände unternommen: Der Leiter der Inspektion zur Bekämpfung von der Sklaverei ähnlichen Arbeitsbedingungen wurde abgesetzt, die Behörde soll umstrukturiert, die Definition von Sklavenarbeit aufgeweicht werden – ein Schritt, der keineswegs nur in der linken Öffentlichkeit und ihren Medien als Teil des Vorhabens bewertet wird, den Kampf gegen diese Arbeitsbedingungen zu beenden. Die “Brücke zur Zukunft”, wie das Programm von Temer und Konsorten euphorisch getauft worden war, erweist sich als das, was Kritiker von Beginn an sagten: Eine Brücke in die Vergangenheit. Wie andere auch, hat LabourNet Germany verschiedentlich darauf hingewiesen, dass die bundesdeutschen Unternehmen an der Absetzung der gewählten sozialdemokratischen PT-Regierung keineswegs so unbeteiligt waren, wie es in der hiesigen Medienlandschaft zumeist dargestellt wurde. Sowohl die damaligen antidemokratischen Bekundungen der Topmanager von VW und Mercedes zeigen dies, als es auch die Rolle der deutschen Unternehmen im Paulistaner Unternehmerverband FIESP nahe legt. Es ist der Verband, der sich – in offen antidemokratischer Kampagne – für die Absetzung der gewählten Regierung (mit Millionenbeträgen) stark machte. Dass diese Unternehmen von diesem „Regierungswechsel“ profitieren, zeigt nun das Beispiel Haribo. Siehe dazu eine kurze Materialsammlung zum Vorgehen der brasilianischen Regierung – und zu den Arbeitsbedingungen nicht nur bei den Haribo-Zulieferfirmen

Demo zur Loom Eröffnung – Love Fashion. Hate Sweatshops


GERNE WEIST DIE FAU BIELEFELD AUF FOLGENDE KUNDGEBUNG HIN:


Wieso eine Demonstration am Tag der Loom Eröffnung?

Auf der einen Seite sind Klamotten und das Styling super spaßig, spannend und wichtig.
Auf der anderen Seite nagen Infos über Arbeitsbedingungen der Modeindustrie am Gewissen.

Ätzender Zwiespalt

Wie könnte der Ausweg aus diesem Zwiespalt aussehen?
Es gibt bereits Alternativen wie Kleiderschenk-Partys, Umsonstläden oder Upcycling. Wir haben Lust gemeinsam Neues auszuprobieren und an weiteren Alternativen zu basteln.

Komm zur Demo – lass uns schnacken über Fragen wie:

– Wo wird Kleidung produziert? Unter welchen Bedingungen und von wem?

– Was bedeutet gutes Leben (für mich/für Arbeiter*innen in der Modeproduktion)?


– Was brauche ich eigentlich wirklich?


L O V E FASHION

H A T E SWEATSHOPS




Wann:
26.10. 12:30h


Wo: Treffpunkt ist die rote Telefonzelle an der Altstädter Nicolaikirche,
Bielefeld

 


 

VORSTELLUNG DES KOLLEKTIV „FLYING ROASTERS“ AUS BERLIN

Wir sind eine Rösterei aus Berlin. Mit dem, was wir tun, erproben wir den Brückenschlag zwischen sozialem Anspruch und Qualität. Wir versuchen jeden Tag, das mögliche Richtige im Falschen zu leben – und das mit Genuss. Unseren Rohkaffee beziehen wir ohne Zwischenstationen direkt von den erzeugenden Kooperativen vor Ort. So können wir sicherstellen, dass unser Anspruch an soziale Arbeitsbedingungen von Anbau, Ernte bis hin zur Röstung in Berlin erfüllt wird.

Wir versuchen in enger Zusammenarbeit mit den ProduzentInnen andere Wege im Kaffeehandel zu gehen: direkt, solidarisch, fair, gerecht bezahlt und mit ausgezeichneten Qualitäten. Wir haben Einblick in die Produktionsbedingungen und verständigen uns direkt mit den Kooperativen über Preisgestaltung und Lieferbedingungen.

Doch nicht nur zu den ProduzentInnen haben wir einen engen Draht – auch unsere KundInnen liegen uns besonders am Herzen. Und auch dabei sind Fairness und Transparenz zentral für uns. Wenn ihr also Fragen, Wünsche oder Anregungen habt, dann meldet euch – so vielfältig wie Kaffee sind auch die Bedürfnisse von Büros, Cafés oder Einzelpersonen. Um unsere Arbeit nachvollziehbarer zu machen, veröffentlichen wir einmal pro Jahr einen Transparenzbericht.

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Schwarzer Freitag – Ein Erlebnisbericht

Bundesweiter Aktionstag: Schwarzer Freitag für H&M

Am Freitag den 13.10.17 trafen sich zwei Genoss*innen der FAU Bielefeld vor der H&M-Filiale in der Bahnhofsstraße, Bielefeld. Zu Beginn wurden die Schaufenster als Aushang für Materialien benutzt, was aber leider nicht von Dauer war, da die Materialien anscheinend einen ungehinderten Blick auf die Auslegeware beeinträchtigten.

Im weiteren Verlauf verteilten die beiden Genoss*innen Flyer an Passanten und H&M-Kunden.

Da es in der Innenstadt zwei Filialen gibt, entschlossen sie sich auch der zweiten einen Besuch abzustatten. Während Genoss*in #1  sich daran machte auch hier die Handzettel zu verkleben und zu verteilen, betrat Genoss*in #2 H&M um Flyer an der Kasse auszulegen. Hiernach wurde die Aktion in Bielefeld von den beiden FAUistas aufgelöst.

ZUM HINTERGRUND DER AKTION

Bündnis „Trugbild Sicheres Afghanistan“ ruft zur Demo am 21.10.17 am HBF auf


Demonstration am Samstag den 21.10.2017 um 13 Uhr vor dem Hauptbahnhof in Bielefeld

Nach einem vorübergehenden Stopp haben wieder Abschiebungen nach Afghanistan begonnen. Dabei ist Afghanistan nicht sicher!  Der Alltag in Afghanistan ist geprägt durch Selbstmordattentate, sexualisierte Gewalt, Zwangsrekrutierungen durch die Taliban, Verfolgung konvertierter Christen und weitere Grausamkeiten.

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Harald Rein: Wenn arme Leute sich nicht mehr fügen…!

(…)

Erwerbsarbeit oder Sozialleistungen, die im direkten Zusammenhang zur Erwerbsarbeit stehen(z.B. Renten/ Arbeitslosengeld I  und II), sind wesentlicher Stabilisator kapitalistischer Verhältnisse. Rein theoretischwäre eine Befreiung von Erwerbsarbeit möglich, da immer weniger Arbeitszeit eingesetzt werden muss, um lebenswichtige Dinge zu prduzieren. Dass sich die Menschen über das weniger Werden von notwendiger Arbeit nicht freuen können, dafür sorgt ihre kapitalistische Formbestimmung als Lohnarbeit. Nur wer sich voll und ganz der Erwerbsarbeit zur Verfügung stellt, kann auf Anerkennung, entsprechende Entlohnung, Werschätzung und Teilhabe hoffen. Erwerbsarbeit is fest verankert im Bewusstsein und Wertesystem jedes Einzelnen. Wer erwerbsarbeit, blickt auf auf Erwerbslose herab, während diese wiederum Flüchtlinge als Konkurrenten um Arbeitsplätze und Sozialleistungen sehen. Dies Feststellung trifft natürlich nicht auf alle zu, ist aber ein Grundprinzip des Kapitalismus: Teile und Herrsche!“

(…)

AUS:

Harald Rein:
Wenn arme Leute sich nicht mehr fügen…!
Bemerkungen über den Zusammenhang von Alltag und Protest
ISBN 978-3-945959-25-1 / 2017 / 184 Seiten / 14,80 Euro

Armut ist ein umstrittenes Thema in Deutschland. Während die einen (etwa der Paritätische Wohlfahrtsverband) in regelmäßigen Wiederholungen auf verschiedene, sich vergrößernde Armutsproblematiken (z.B. die Kinderarmut) hinweisen, leugnen die anderen, die Lebenssituation von Hartz-IV-BezieherInnen als arm zu beschreiben, denn schließlich verhindere der Bezug von Arbeitslosengeld II genau dieses Phänomen. Armut sei ein „Verliererthema“.

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VERANSTALTUNGSTIPP: Mehr Licht! Lesung gegen Rassismus und für ein schönes Leben

Unter dem Titel „Mehr Licht!“ veranstalten der „Verein International“ sowie die „Initiative 9. November“ eine Lesung gegen Rassismus mit der Herforder AutorInnen-Gruppe in der Villa Kunterbunt in Bünde.

Die Lesung ist Auftakt zu der Veranstaltungsreihe „Erinnern heißt Partei ergreifen“ anlässlich des 9. November 1938, an dem der nationalsozialistische Terror gegen jüdische MitbürgerInnen einen vorläufigen Höhepunkt fand. Es lesen Nicolas Bröggelwirth, Ralf Burnicki, Petra Czernitzki, Michael Helm, Artur Rosenstern und Christine Zeides. Die Zuhörerschaft erwartet ein kreatives und vielseitiges Literaturereignis, das zum Nachdenken anregt, aber auch unterhaltsam ist, denn es geht der Literatur ja stets darum, das Leben ein wenig zu feiern. Der Eintritt ist frei (eine Spende für die Arbeit des Jugendzentrums ist erwünscht).

 


Lesung am Samstag, den 21. Oktober, 19.30 Uhr

Ort: Villa Kunterbunt, Kaiser-Wilhelmstr. 2 (2. Etage), 32257 Bünde.

Homepage: https://www.autorenwelt.de/users/herforder-autorinnen-gruppe

Mailto: herfordergruppe@gmail.com