LITERATUR





Harald Rein:
Wenn arme Leute sich nicht mehr fügen…!
Bemerkungen über den Zusammenhang von Alltag und Protest
ISBN 978-3-945959-25-1 / 2017 / 184 Seiten / 14,80 Euro

Armut ist ein umstrittenes Thema in Deutschland. Während die einen (etwa der Paritätische Wohlfahrtsverband) in regelmäßigen Wiederholungen auf verschiedene, sich vergrößernde Armutsproblematiken (z.B. die Kinderarmut) hinweisen, leugnen die anderen, die Lebenssituation von Hartz-IV-BezieherInnen als arm zu beschreiben, denn schließlich verhindere der Bezug von Arbeitslosengeld II genau dieses Phänomen. Armut sei ein „Verliererthema“.

Arme Leute sind gezwungen, ihren Protest und ihre Selbstbehauptung in anderer Form auszutragen, als die gängigen sozialen Bewegungen dies tun. Ihre Repräsentanz findet sich nicht in Parteien und Institutio­nen wieder, in sozialen Bewegungen finden ihre Ansprüche wenig Gehör. Der Autor beschreibt die Geschichte des Widerstand ­armer Leute von der Weimarer Republik, über die  Hartz-IV-Proteste bis hin zum alltäglichen „stummen Protest“. Darüber hinaus werden einige wissenschaftliche Konzepte der Armutsforschung kritisch hinterfragt: „Wissenschaft trifft arme Leute“.

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Sin Patrón: Instandbesetzte Betriebe in Argentinien

Als Argentiniens Wirtschaft 2001 zusammenbrach, kam es zwar nur beinahe zur Revolution, aber Tausende Werktätige lernten, Betriebe unter eigener Kontrolle weiterzuführen. Heute gibt es mehrere hundert solcher Betriebe in Argentinien, zum Teil von der Regierung kooptiert, zum anderen Teil aber weiterhin im Aufstand – wie die Keramikfabrik FaSinPat (Zanon), in der nach wie vor alle den gleichen Lohn bekommen und alle die gleiche Stimme in der Vollversammlung haben, der höchsten Autorität im Werk.
Im Buch, im Original herausgegeben von einem Verlagskollektiv aus Buenos Aires, gibt es die Geschichten von 10 derartigen Instandbesetzungen, die in Argentinien „recuperación“ heißen: Wiederinbetriebnahme, aber auch Genesung. Von Aneignung ist meist gar nicht die Rede – die Betriebe gehören sowieso dem Volk. Und konsequenterweise versorgen viele fabricas recuperadas ihre Nachbarschaft mit speziellen öff entlichen Diensten wie Volksschulen und Benefi zveranstaltungen.
Übersetzt, aktualisiert und mit Praxisanregungen angereichert von Daniel Kulla.

Lavaca (Hg.)
Sin Patrón, Herrenlos, Arbeiten ohne Chefs
Instandbesetzte Betriebe in Belegschaftskontrolle
Das argentinische Modell: besetzen, Widerstand leisten, weiterproduzieren
Übersetzung und Einführung von Daniel Kulla
ISBN 978-3-940865-64-9 I 2015 I 254 Seiten I 19 €


Mit uns zum Freiheitskampf!
Das Programm der S.A.J.D.Das Programm der Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend (S.A.J.D.). Reprint von 1932, mit einem Vor- und Nachwort von Emmelie Öden
„Der vorliegende Text erschien als Broschüre der SAJD und sollte ihr als Werbung unter der arbeitenden Jugend dienen. Das genaue Erscheinungsdatum ist nicht bekannt, es lässt sich jedoch dank einiger Anzeigen in „Der Syndikalist“ ein ungefährer Zeitraum ermitteln. So wurde im April 1932 in der Ausgabe Nr. 15, eine erste Mitteilung abgedruckt, die auf das Erscheinen der Broschüre hinweisen sollte.“ (Aus dem Nachwort). „Mit uns zum Freiheitskampf!“ wurde als Informations- und Agitations-Broschüre in einer Auflage von mindestens 4.000 Exemplaren gedruckt, gelangte aber nur kurzzeitig zur offenen Verteilung. Im Januar 1933 waren die Nazis an die Macht gelangt und illegalisierten jegliche anarchistische und syndikalistische Betätigung. Die vorliegende Broschüre war Jahrzehntelang verschollen.
Verlag Barrikade, 36 Seiten, A5, Preis pro Exemplar: 1 € zuzüglich 1 € Versandkosten (leider).


Boal, Augusto: Hamlet und der Sohn des Bäckers.
Boal, HamletDie Autobiografie, übersetzt von Birgit Fritz und Elvira M. Gross. Herausgegeben von Birgit Fritz
Augusto Boal – Erfinder der international anerkannten Methode des Forumtheaters und des Theaters der Unterdrückten. Auf seinen Reisen um die Welt war er unter anderem eine Inspiration für LehrerInnen, PsychotherapeutInnen, GefängnisinsassInnen, SchauspielerInnen und SozialpädagogInnen, aber immer auch für politisch Aktive. Augusto Boal war sowohl Visionär als auch Kind seiner Zeit: dem Brasilien der Militärdiktatur und der Repression, der Pädagogik Paulo Freires und der Widerstandsbewegungen.
Die Autobiographie Augusto Boals gleicht einem Entwicklungsroman, in dem die verschiedenen Stationen des Lebens – Kindheit in Brasilien, Studium in den USA, Zeit der Avantgarde des brasilianischen Theaters, politisches Engagement, Folter, Exil, Rückkehr nach Brasilien – zu kontextualen Lehrmeistern in der Heranbildung eines ethischen Bewusstseins werden, aus der eine klare gesellschaftliche Positionierung gegen Ausbeutung und Kolonialismus und für eine Humanisierung der Menschheit entsteht.
Augusto Boal, Hamlet und der Sohn des Bäckers. Mandelbaum Verlag 2013,
376 Seiten, 24.90 €


Camus, Albert: Libertäre Schriften (1948-1960)
Albert Camus’ literarisches Werk ist weltberühmt und zählt zur herausragenden Literatur des 20. Jahrhunderts. Weniger bekannt ist seine Beschäftigung mit dem Anarchismus. Gerade aber die Auseinandersetzung mit dem libertären Denken war für Camus nach dem Zweiten Weltkrieg von großer Bedeutung.
Camus, Libertäre Schriften
Bereits 1940 lernte Camus Rirette Maîtrejean, eine der bedeutendsten damaligen französischen Anarchistinnen, kennen. Mit jungen libertären AktivistInnen diskutierte er 1948 über ein gemeinsames Verständnis der damaligen Welt. 1949 schrieb Camus dann seinen ersten Artikel in der anarchistischen Presse – damit begann eine Zusammenarbeit, die bis zu seinem Tod fortdauerte. Sie war durch starke persönliche Freundschaften besiegelt, die von gegenseitiger Wertschätzung, Herzlichkeit und Verbundenheit über gemeinsame Kämpfe gekennzeichnet war.
In dieser nun erstmalig in deutscher Übersetzung vorliegenden Aufsatzsammlung zeigen sich die Entwicklungswege im Denken Camus’ zu Zeiten des Kalten Kriegs, seine Entschlossenheit, weder der einen noch der anderen Großmacht nachzugeben. In jener Zeit war Camus der einzige französische Intellektuelle, der sich bewusst auf ein drittes Lager stützte: das der Kriegsdienstverweigerer, der mundtot und vergessen gemachten Anti-Kolonialistinnen und der revolutionären Syndikalistinnen.
Der vorliegende Band versammelt Schriften Camus wie auch Artikel anderer AutorInnen und ermöglicht erstmalig einen vollständigen Überblick über das Denken und Wirken Camus’ – und so ein umfassendes Verständnis dieses »Menschen in der Revolte«.
Albert Camus: Libertäre Schriften (1948-1960), Laika Verlag 2013, 384 S., 24,90€


Christie, Stuart, Meine Oma, General Franco und ich. Autobiografie
Stuart Christie, Meine Oma, General Franco und ich.Sommer 1964: Die Beatles führen die europäischen Hitparaden an, Nelson Mandela wird zu lebenslanger Haft verurteilt, Lyndon B. Johnson unterzeichnet die Aufhebung der Rassentrennung – und in Madrid wird ein langhaariger achtzehnjähriger Schotte namens Stuart Christie aufgegriffen, den Rucksack voller Sprengstoff für ein Attentat auf General Franco.
»Granny made me an anarchist«, heißt diese Geschichte im Original, in der Christie so spannend wie humorvoll berichtet, wie er zu Großbritanniens berühmtestem Anarchisten wurde. Dem Glasgower Proletariat entstammend, kam er durch diese Großmutter schon früh mit anarchistischer Moral in Berührung und engagierte sich politisch.
Nach dem Attentatsversuch wurde er von einem spanischen Militärgericht zu zwanzig Jahren Haft wegen Banditentums und Terrorismus verurteilt, saß jedoch nur drei Jahre dieser Strafe ab, nachdem der internationale Druck (u. a. durch Kampagnen von Bertrand Russell und Jean-Paul Sartre) sowie ein Gnadengesuch seiner Mutter für seine Freilassung sorgten. Fünf Jahre später stand er wegen vermeintlicher Beteiligung an Bombenanschlägen der britischen Angry Brigade, einer Stadtguerilla-Gruppe in England, wieder vor Gericht, wurde aber freigesprochen.
»Meine Oma, General Franco und ich« gibt einen lebendigen Eindruck der politischen Bewegungen und Umbrüche der sechziger und siebziger Jahre in Großbritannien und Europa und ist außerdem ein packender Schmöker!
Eine Verfilmung ist für 2014 geplant, nach einem Drehbuch von Duncan Campbell (The Guardian) und Ronan Bennett!
Stuart Christie, Meine Oma, General Franco und ich. Autobiografie, Edition Nautilus, Hamburg 2014, 416 S. 24,90€.
Quelle: Edition Nautilus


Döring, Helge: Anarcho-Syndikalismus in Deutschland 1933-1945
Anarcho-Syndikalismus in Deutschland 1933-1945Dieses Buch bietet der deutschsprachigen Öffentlichkeit eine umfassende, fundierte und kompakte Ausarbeitung zum Thema Anarcho-Syndikalismus. Es eignet sich als erste Informationsquelle genauso wie für intensive Recherchen. Helge Döhring zeigt auf, wie sich diese Strömung der sozialistischen Arbeiterbewegung in Deutschland organisierte und veranschaulicht sowohl die zentralen Aktivitäten des Anarcho-Syndikalismus gegen die Hitler-Diktatur als auch manches Einzelschicksal.
Unter Berücksichtigung der Genese und Entwicklung des Anarcho-Syndikalismus bis 1933 sowie dessen Analysen zum Faschismus wird seine Reorganisation in der Illegalität untersucht. Ausgehend von den geographischen Zentren der Strukturen beleuchtet der Autor die Bedingungen ihrer Tätigkeiten sowie die soziale Basis des Widerstandes.
Anhand ausgewählter Protagonisten der Bewegung geht Döhring dem Naziterror und dessen Methoden nach, präsentiert ansehnliche Zeugnisse der Bewegung, die die Nazizeit überdauerten, um dann in groben Zügen die Organisation und Neuausrichtung des Anarcho-Syndikalismus nach 1945 zu skizzieren.
Schmetterling Verlag, ISBN 3-89657-062-5, 192 Seiten, 22,80 €,


Döhring, Helge: Syndikalismus in Deutschland 1914-1918. “Im Herzen der Bestie”
Döhring, Helge: Syndikalismus in Deutschland 1914-1918„Ohne die SPD und die von ihr geführte Arbeiterschaft war der Krieg nicht zu führen“, betonte der Historiker Fritz Fischer. Die Sozialdemokratie entschied sich für die Teilhabe und für die Nutznießerei am imperialistischen Weltkrieg unter nationalistischer Ägide statt für den weltweiten Klassenkampf.
Wie verhielt sich dieser erdrückenden Mehrheit gegenüber die syndikalistische Arbeiterbewegung? Was bewirkte sie?
Richtet sich der Fokus bei der Betrachtung des Widerstandes im Allgemeinen auf die politisch ausgerichtete Spartakusgruppe oder auf die USPD, so gelangt diese Studie zu dem Schluss, dass es sich bei der „Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften“ mit Zentrum in Berlin um die erste reichsweite Organisation handelte, die von Beginn des Krieges an in den Betrieben Widerstand leistete, Streiks organisierte und für einen konsequenten Antimilitarismus eintrat. Besonders unter den Metallarbeitern Berlins erwuchs seit den ersten Kriegsjahren sowohl mit den Syndikalisten als auch den „Revolutionären Obleuten“ das Potenzial, welches sich in der Novemberrevolution 1918 Bahn brechen sollte…
Verlag Edition AV, ISBN 978-3-86841-083-9, 241 Seiten, 17 €


Dörre, Klaus/Lessenich, Stephan/Rosa, Hartmut (2012), Soziologie-
Kapitalismus-Kritik

Soziologie - Kapitalismus - Kritik - Eine DebatteDie Autoren beziehen in ihrer Funktion als Wissenschaftler kritisch-materialistisch
Position gegenüber der sozialwissenschaftlichen Schlüsselkategorie Kapitalismus.
Dementsprechend versuchen sie argumentativ die Revitalisierung des
Kapitalismusbegriffs in den Sozialwissenschaften als Voraussetzung für gesellschaftliche
Einsicht in die sozialen und politökonomischen Bewegungsgesetze voranzutreiben. Damit
stellt das Buch eine wohltuende Ergänzung des kritisch-materialistischen Diskurses dar
und trägt dazu bei, die sich zu Konformwissenschaften entwickelten
Sozialwissenschaften an gesellschaftliche Entwicklungen rückzukoppeln. Gelingen soll
dies anhand der Einführung, Erklärung und Diskussion der drei Konzepte Landnahme
(Dörre), Aktivierung (Lessenich) und Beschleunigung (Rosa).
Suhrkamp Verlag
Das Buch kann auf Nachfrage auch im FAU-Büro gelesen werden. Zu kaufen
auch in der Buchhandlung mondo.


Goldman, Emma: Anarchismus und andere Essays
Emma Goldman - Anarchismus und andere EssaysEmma Goldman setzt sich in diesen größtenteils um 1910 entstandenen Texten, die ursprünglich in der von ihr veröffentlichten Monatszeitschrift Mother Earth erschienen, mit zahlreichen Aspekten des politischen und gesellschaftlichen Lebens ihrer Zeit auseinander. Sie widerlegt den Vorwurf, Anarchismus sei letztendlich Chaos und propagiere Gewalt, und definiert ihn stattdessen als Grundlage für eine ungehinderte menschliche Entwicklung, wahren gesellschaftlichen Fortschritt und eine wahrhaft harmonische Gesellschaft.
Aus diesem Blickwinkel kritisiert sie Regierung, Patriotismus, Militarismus, Gefängnisse, Kirche, Puritanismus, Ehe und Eigentum aufs Schärfste. Aber auch Emanzipation und Frauenwahlrecht kommen nicht ungeschoren davon.
Doch Emma Goldman ist bei Weitem nicht gegen alles: Nicht nur der Syndikalismus weckt ihre Begeisterung, sondern auch die Bestrebungen zu freier Bildung, die in einigen freien Schulprojekten umgesetzt werden, und das Theater ihrer Zeit, das sie länderübergreifend analysiert und das ihrer Ansicht nach den idealen Nährboden für radikale Ideen darstellt.
Emma Goldman, Anarchismus und andere Essays. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Katja Rameil. Unrast Verlag, Münster 2013, 256 S. 14,80€.


Goldman, Emma: Aufsätze 1
Goldman, Emma: Aufsätze 1H.U. Grunder – Eine Kurzbiographie
E.Goldman – Was ich denke
Patriotismus – eine Bedrohung der Freiheit
Minderheiten weisen den Weg
Das Individuum, die Gesellschaft und der Staat
Syndikat A, € 3.50


Goldman, Emma: Aufsätze 2 Goldman, Emma: Aufsätze 2Der Anarchismus und seine wirkliche Bedeutung ° Sozialismus: Gefangen in der Falle der Politik ° Syndikalismus – Theorie und Praxis ° Die Russische Revolution und das autoritäre Prinzip.
Syndikat A, € 3.50


Goldman, Emma: Aufsätze 3
Goldman, Emma: Aufsätze 3Das Tragische an der Emanzipation der Frau – Eifersucht: Ursachen und mögliche Heilung – Candace Falk – Liebe und Anarchie & Emma Goldman (ein Textauszug) – Opfer der Moral – Die Psychologie der politischen Gewalt – Hat mein Leben sich gelohnt?
Syndikat A, 4,00 €


Harvey, David (2014), Das Rätsel des Kapitals entschlüsseln
David Harvey ist wieder eine eindrückliche Analyse der Bewegungsgesetze der
kapitalistischen Produktionsweise gelungen. In verschiedenen Kapiteln wird dargelegt
wie das Kapital in die Welt kommt, wie es sich der Arbeitskräfte bedient, wie es zu
„Markte“ geht und wie es gesellschaftliche Räume, z. B. soziale und technische
Infrastrukturen, entwerten und zerstören kann. Der Leser wird anhand zahlreicher
Beispiele an den Staat-Finanzwelt-Nexus und den Staat-Unternehmen-Nexus
herangeführt, um aufzuzeigen, dass Politik und Staat einerseits und kapitalistische
Produktionsweise andererseits keine Gegensätze sondern sich überlappende und
gegenseitig bedingende Strukturen sind.
Interessant sind Harveys Ausführungen zum Landnahme-Theorem und zur Abhängigkeit
kapitalistischer Produktionsweise von Voraussetzungen, die ihr vorausliegen.Kritisch anzumerken ist u. a., dass Harvey, obgleich er es besser wissen könnte, den
Begriff „Anarchie der Märkte“ verwendet, um das Geschehen auf den „deregulierten“
Finanzmärkten zu beschreiben. Um es noch einmal zu erwähnen, Anarchie ist die
herrschaftsfreie Ordnung.
VSA
Das Buch kann auf Nachfrage auch im FAU-Büro gelesen werden.


Hill, Gord: Fünf Jahrhunderte Indigener Widerstand
Comic mit einer Einleitung von Ward Churchill
Hill, Gord: Fünf Jahrhunderte Indigener WiderstandIndigener Widerstand ist eine mitreißende und historisch akkurate grafische Darstellung indigenen Widerstands gegen die europäische Kolonisierung der amerikanischen Kontinente. Der Comic beginnt mit der spanischen, von Christoph Kolumbus angeführten Invasion und führt bis ins heutige Jahrhundert hinein. Unter anderem erzählt der indigene Aktivist Gord Hill vom Widerstand der Taino 1492, dem Aufstand der Inka, dem Kampf der Mapuche, der Pueblo-Revolte, den Seminolenkriegen sowie dem Widerstand der Apachen, Plains-Indianer und der Völker der Nordwestküste. Außerdem berichtet er von der Amerikanischen Indianischen Bewegung, Wounded Knee, der Oka-Krise, dem Aufstand der Zapatisten und den Konfrontationen am Gustafsen Lake und in Ipperwash.
Mit kraftvollem, schlichtem Sprachstil und bewegenden Illustrationen dokumentiert Gord Hill den indigenen Kampfgeist und den seit über fünf Jahrhunderten währenden Widerstand gegen Genozid, Massaker, Folter, Vergewaltigung, Vertreibung und Assimilation: eine wichtige Gegendarstellung zur konventionellen Geschichtsschreibung Amerikas.
Das Buch enthält eine Einleitung des Aktivisten und Schriftstellers Ward Churchill, Kodirektor der Amerikanischen Indianischen Bewegung Colorados.
Verlag Edition AV, ISBN 978-3-86841-085-3, 88 Seiten, 14 €


Kellermann, Philippe (Hg.), Begegnungen feindlicher Brüder III.
Zum Verhältnis von Anarchismus und Marxismus in der Geschichte der sozialistischen Bewegung
Kellermann, Philippe IIIAn die Bände 1 und 2 anschließend, behandelt auch Band 3 der Begegnungen feindlicher Brüder die Gemeinsamkeiten und Differenzen zwischen Anarchist_innen und Marxist_innen in der Geschichte der sozialistischen Bewegungen und diskutiert diese anhand ausgewählter Strömungen und Akteur_innen.
Behandelt werden einerseits die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in Themen wie der Gewaltfrage, der Pädagogikkonzeptionen oder der Analyse des Staates, sowie hinsichtlich des Widerstands gegen den Nationalsozialismus in Deutschland. Andererseits wird sich unorthodoxen Gruppen wie Socialisme ou Barbarie, einem unorthodoxen Marxisten wie Max Adler, einem Ethnologen der Herrschaftsfreiheit wie Pierre Clastres oder der schon in den Vergangenheit gestellten Frage nach dem Verhältnis von Anarchismus und Marxismus gewidmet.
Philippe Kellermann (Hg.), Begegnungen feindlicher Brüder III. Zum Verhältnis von Anarchismus und Marxismus in der Geschichte der sozialistischen Bewegung, Unrast Verlag, Münster 2014, 207 S., 14,00 €
Quelle:


Kniestedt, Friedrich: Fuchsfeuerwild. Erinnerungen eines anarchistischen Auswanderers nach Rio Grande do Sul
Kniestedt, FuchsfeuerwildDies ist ein deutsch-brasilianisches Geschichtsbuch – die Erinnerungen eines anarchistischen Agitators und Organisators in Rio Grande do Sul, der über seinen Kampf gegen die versumpfende Sozialdemokratie im deutschen Kaiserreich berichtet, seine Erfahrungen als deutscher Emigrant in Südbrasilien Revue passieren lässt, über seine gewerkschaftlichen Aktivitäten als Anarchosyndikalist erzählt und seinen Kampf gegen die Nazis in Brasilien und gegen das Tausendjährige Reich Hitlers dokumentiert.
Friedrich Kniestedt, Fuchsfeuerwild, Verlag Barrikade, 232 S.– empfohlener Verkaufspreis: 18 €uro (keine Buchpreisbindung!)
Da der umtriebige Autor auf seinen (nicht immer freiwilligen) Wanderungen durch das kaiserliche Deutschland auch durch Ostwestfalen kam, hier eine kurze Leseprobe:
Als anarchistischer Gewerkschafter in Deutschland – 1910:
„Lippspringe am Jordan war bereits 1900 eine bekannte Luftheilstätte. Es war durch seine Schwefelquellen in der Saison bei Kranken als Kurgäste stark begehrt. Es ist begreiflich, dass das Leben für einen Arbeiter teuer war. Wir aus der Bürsten-Abteilung verdienten nicht schlecht, von den Hilfsarbeitern kann man das nicht sagen. Lippspringe liegt am Ausläufer das Teutoburger Waldes, wir hatten bis zur Grenze des Fürstentum Lippe etwa zwei Stunden. Die Lebensmittel waren in Lippe bedeutend biliger als in Lippspringe, und so ging es denn jeden Zahltag auf verbotenen Wegen über die Grenze, um dortselbst alle notwendigen Lebensbedürfnisse zu decken. Die ganze Arbeiterbevölkerung betrieb diesen Schmuggel. Lippspringe gehörte zum Wahlkreis Paderborn. Natürlich war auch hier das Zentrum Trumpf. Eine Arbeiterbewegung bestand nicht. Wir gehörten als Holzarbeiter zur Zahlstelle Lippstadt. In Salzkotten, einer Bahnstation zwischen Paderborn und Lippstadt, hatte man zwei Metallwarenfabriken errichtet. Bei einer Gesamtzahl von über 200 Arbeitern waren etwa 30 Spezialarbeiter beschäftigt, welche den Verhältnissen entsprechend besser bezahlt wurden. Wir gründeten in Lippspringe eine Agitationsgruppe. Dasselbe geschah in Salzkotten und später auch in Paderborn. Jeden Monat hielten wir eine Versammlung ab, und zwar immer abwechselnd in Paderborn, Lippspringe oder Salzkotten, an denen auch Gesinnungsfreunde aus Alten- und Neuenbeken teilnahmen. In allen diesen Versammlungen – welche immer im Freien stattfanden, denn Lokale standen uns in dieser schwarzen Ecke nicht zur Verfügung – hielt ich Vorträge, an die sich immer lebhafte Diskussionen anschlossen. Im April schufen wir ein Zentralkomitee dieser losen Gruppen. Am 1.Mai 1901 veranstalteten wir eine Maifeier. Aus Paderborn, Salzkotten, Alten- und Neuenbeken waren Gruppen von Arbeitern, zum Teil mit Frauen und Kindern, gekommen, um mit uns zusammen im Kurpark von Lippspringe den ersten Mai zu feiern. Ich brauche wohl nicht zu betonen, dass dies für diesen Ort eine Sensation war. Wir waren über 60 Personen. Zuerst besichtigten wir die Badeanlagen, dann lagerten wir uns in einem an den Kurpark angrenzenden Wald. Ich benutzte einen kleinen Hügel als Rednertribüne und sprach über die Bedeutung des Ersten Mai. Als ich mit meiner Rede begann, waren wir etwa 60 Personen. Als ich nach über einer Stunde Schluss machte, hatten sich weit über hundert Badegäste eingefunden, welche mit großem Interesse dem Vortrage gefolgt waren. Es war das die eindrucksvollste Maifeier, welche ich in meinen ganzen Leben mitgemacht habe. Am 3. Mai wurde ich von zwei Polizeibeamten aus der Fabrik abgeholt und nach Paderborn eingeliefert. Der Leiter der christlichen Bodelschwinghschen Mädchen-Erziehungs-Anstalt hatte uns denunziert. Wahrscheinlich hatte der Mann die Absicht, auch an mir, wie an den armen eingelieferten Kindern im grauen Hause von Lippspringe, ein Exempel zu statuieren. Der christliche Herr hatte aber wenig Glück. Er war nicht wenig erstaunt, als ich am 4. Mai wohlbehalten wieder in Lippspringe ankam“ (Seite 39/49). Verlag Barrikade


Krampitz, Karsten / Lederer, Klaus: Schritt für Schritt ins Paradies. Handbuch zur Freiheit.
Schritt für Schritt ins ParadiesKaum ein Wort das in unserer Zeit gleichermaßen verhunzt und missbraucht wird: Freiheit – auch bekannt als Kaufkraft, Überlegenheit des Westens oder als Möglichkeit, sich ohne Zwang entscheiden zu können,. Und allzu oft sorgen gerade jene für Unfreiheit, die die Freiheit im Namen führen. Es ist an der Zeit, Konservativen und Wirtschaftsliberalen die Deutungshoheit für den Freiheitsbegriff abzusprechen.
Für Linke und DIE LINKE beinahe noch wichtiger: Zukunft braucht Herkunft! In der Geschichte hat es nicht nur Sozialdemokratie und Staatssozialismus gegeben. Etliche der vorliegenden Texte beschäftigen sich daher mit dem Anarchismus – der Idee vom Gesetz ohne Herrschaft; von einer Welt, in der Menschen weder befehlen noch gehorchen. Freiheit und Sozialismus schließen sich nicht aus; sie bedingen einander.
Aus dem Inhalt: Freiheit heute von Jochen Knoblauch; Eigentumsbestien von Manja Präkels; Freiheit und Sicherheit von Robin Celikates; Das Tragische an der Emanzipation der Frau (1911) von Emma Goldmann; „Du bist wie Anarchismus für mich…“ von Konstanze Kriese; Die Partei für gemäßigten Fortschritt im Rahmen der bestehenden Gesetze von Jaroslav Hašek; Anarchismus und Marxismus von Philippe Kellermann; Max Stirner von Beate Kramer; Der Staat und die deutschen Ameisenschutzwarte von Bernd Kramer; Jörg Haider und ich von Karsten Krampitz; Ein Plädoyer für die Freiheit von Klaus Lederer; Zur Kritik der verschuldeten Subjektivität von Daniel Loick; Das laue Freiheitsgelaber der Rechten von Robert Misik; Rosa Luxemburg. Über die Freiheit der Andersdenkenden von Jörn Schütrumpf; Zum Begriff des Eigentums bei Pierre-Joseph Proudhon von Gerhard Senft; Barrierefreiheit im Bordell von Matthias Vernaldi; Zur Lage des organisierten Monarchismus in Deutschland von Jörn Wegner; Vor der Himmelstür von Markus Liske.
Karin Kramer Verlag, 978-3-87956-374-6, 250 Seiten, 18,00 €,


Lohoff, Sara: Der 17. Juni 1953
Lohoff, Sara: Der 17. Juni 1953Neben dem 12. November 1948 in der US-amerikanisch-britischen Bizone war der 17. Juni 1953 einer von zwei Generalstreiks, die im Nachkriegsdeutschland stattgefunden haben.
Auch im Vergleich zu den anderen in Deutschland stattgefundenen Generalstreiks kommt ihm eine besondere Bedeutung zu, denn er ist sowohl als klassischer Arbeitskampf – gegen die Normerhöhung – zu verstehen als auch als politischer Streik gegen einen Staat.
Außerdem markiert der 17. Juni 1953 die endgültige Zerschlagung der Arbeiterbewegung. Der Nationalsozialismus hat zwar die Organisationen der Arbeiterbewegung zerschlagen, nicht aber die Traditionen und Denkmuster – das gilt für Ost- wie Westdeutschland. Die Zerschlagung des Arbeiteraufstands hat Arbeiterbewegung und konkrete Kämpfe in der DDR für 35 Jahre nahezu unmöglich gemacht.
Der sogenannte „real existierende Sozialismus“ bewies sich damit als Feind der emanzipatorischen Arbeiterbewegung.
Syndikat A , 2,50 €


Mattick, Paul: Die Revolution war für mich ein großes Abenteuer. Paul Mattick im Gespräch mit Michael Buckmiller
Mattick, Paul: Die Revolution war für mich ein großes Abenteuer.Paul Mattick ist vielleicht der exemplarische Arbeiterintellektuelle: Seine furiose Abrechnung mit John Maynard Keynes, seine Kritik an Herbert Marcuse, die dieser übrigens als einzig taugliche Kritik von links akzeptierte, seine sprichwörtliche Marx-Orthodoxie, mit der er den tendenziellen Fall der Profitrate gegen allerlei ›Modernisierer‹ verteidigte, machten den Deutsch-Amerikaner in den 1960er und 1970er Jahre zum kommunistischen Gewissen und Stichwortgeber der antiautoritären Revolte.
Mattick hat um seine Biografie kein Aufheben gemacht, Heldengeschichten waren ihm zuwider. Aber er gab trotzdem Auskunft: 1976 führte der Hannoveraner Politologe Michael Buckmiller ein langes autobiografisches Interview mit ihm. Das Interview wurde bis dato nie publiziert, Jahrzehnte war es unter Verschluss. Erst vor Kurzem haben es Marc Geoffroy und Christoph Plutte ausgegraben. Das Interview übertrifft tatsächlich die Erwartungen: Es ist ein lebenssatter Bericht, in dem uns Mattick als ebenso lakonischer wie unabhängiger Rätekommunist begegnet, dem alle Parteischablonen und alles friedfertig sich beschränkende Denken zuwider waren.
Das Buch, das alle wissenschaftlichen Standards erfüllt, aber in erster Linie schnell zugänglich ist, wird ergänzt durch literarische (verschlüsselt autobiografische) Texte Matticks, eine kommentierte Bibliografie zum Stichwort Rätekommunismus und ein ausführliches Nachwort Michael Buckmillers, der die Figur des Arbeiterintellektuellen anhand von bis dato noch nie publizierten Briefen Matticks darstellt.
Paul Mattick, Die Revolution war für mich ein großes Abenteuer, Unrast Verlag,
180 S., 16€


Mümken, Jürgen / Wolf, Siegbert (Hrsg.):„Antisemit, das geht nicht unter Menschen“. Anarchistische Positionen zu Antisemitismus, Zionismus und Israel. Band 1: Von Proudhon bis zur Staatsgründung
Der vorliegende Band beleuchtet das Verhältnis des neuzeitlichen Anarchismus seit der Französischen Revolution von 1789 zu Antisemitismus, Judentum und Zionismus bis zur Shoah. Thematisch aufgegliedert ist er in fünf Abschnitte: „Anarchisten und Antisemitismus“, „Anarchisten über Antisemitismus“, „Anarchismus und Zionismus“, „Anarchismus und Judentum“ und „Anarchismus, Nationalismus und Zweiter Weltkrieg“.
Verlag Edition AV, ISBN 978-3-86841-088-4, 301 Seiten, 18 €


Reclus, Elisée: Geschichte eines Berges, übersetzt von Michael Halfbrodt
Die Höhe, wo ich mich am liebsten niederließ, war nicht der höchste Gipfelpunkt, wo man Platz nimmt wie ein König auf dem Thron, um die zu seinen Füßen hingestreckten Weiten seines Reiches zu betrachten. Ich fühlte mich wohler auf der nächsthöheren Erhebung, von wo mein Blick zugleich über niedrigere Flanken schweifen konnte, um dann Grat um Grat die hohen Wände emporzusteigen zu der in Himmelsblau getauchten Spitze. Dort musste ich das Gefühl von Stolz nicht unterdrücken, das mich auf dem Scheitelpunkt des Berges unwillkürlich überkommen hätte, sondern gönnte meinen Augen das Vergnügen, sich satt zusehen am Anblick des Schönen, das Schnee und Felsen, Wälder und Weiden mir boten. Ich verweilte auf halbem Wege zwischen den Sphären von Erde und Himmel und fühlte mich frei, ohne einsam zu sein. Nirgendwo sonst ergriff mein Herz ein so süßes Gefühl des Friedens.
Verlag Edition AV,
ISBN 978-3-86841-087-7, 143 Seiten, 16 €


Schmidt, Guido R.: Woher der Wind weht. Ein Patagonienroman
Woher der Wind weht Die faszinierende, windzerzauste Landschaft Patagoniens stellt den Rahmen für diesen Roman dar: »Vereinzelte dunkle Wolkenfetzen rasten am kobaltblauen Himmel dahin, während ihre Schatten blitzschnell, als wären es monströse Sturmvögel, über die im grellen Sonnenlicht flimmernde Steppe hinwegfegten.«
Gebunden, 384 Seiten, (D) 19,90€, (A) 20,50€
ISBN 978-3-89401-729-3, Edition Nautilus
Veit, ein junger Mann, sucht dort in den achtziger Jahren nach seinem Großvater Emil Sailer, der 1922 dort umgekommen ist. Sailer war bei seiner Ankunft in Südamerika mitten in die großen Streiks auf den Schaf-Farmen und anarchistischen Arbeiteraufstände geraten, die die Großgrundbesitzer mit Hilfe von Privatmilizen blutig niederschlagen ließen, und dann verschwunden.
Noch sechzig Jahre später stößt Veit bei seiner Suche überall auf misstrauisches Schweigen; die Angst, über die Vergangenheit zu sprechen, ist erdrückend, das Grauen der Militärdiktatur noch präsent. Veit deckt nach und nach die Geschichte seines Großvaters auf, der auf der Suche nach einem besseren Leben in der neuen Welt in die blutigen Kämpfe geriet und für sein Abenteuer mit dem Leben bezahlte.
Guido Schmidts Roman beruht auf wahren Begebenheiten und kann als politische Ergänzung zu Bruce Chatwins legendärem Buch In Patagonien. Reise in ein fernes Land gelesen werden.
»Ein faszinierendes Kapitel deutscher und lateinamerikanischer Geschichte, das hier weitgehender Vergessenheit entrissen wird. Woher der Wind weht ist auch eine Hommage an all jene leidenschaftlichen und aufrechten Akteure unserer Geschichte, denen die historische Wissenschaft bisher keine Denkmäler zu setzen gewillt war.« Robert Hültner


Schürch, Franziska / Koellreuter, Isabel (Hrsg.): Heiner Koechlin 1918-1996 – Porträt eines Basler Anarchisten
Heiner Koechlin war zweifellos einer der herausragenden Denker des deutschsprachigen Anarchismus in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, wenngleich immer eine singuläre und schwer zuordenbare Gestalt. „Koechlin aktualisierte den Anarchismus durch die Verbindung von ontologischen Fragen mit dem der Herrschaftsproblematik“, schreibt Werner Portmann. Und weiter: „Er schaffte eine neue Verbindung eines nicht unkritisch rezipierten anarchistischen Denkens P.-J. Proudhons, G. Landauers mit der existentialistischen Philosophie eines K. Jaspers und A. Camus. Dabei versuchte er eine philosophische Balance zwischen anarchistischen Massenbewegungen wie dem Anarchosyndikalismus und dem Solipsismus des Einzelnen zu finden. Koechlin misstraute dem rein Rationalen, Wissenschaftlichen und räumte dem Absurden als lebensnotwendiges Korrektiv der Vernunft eine Platz im libertären Denken ein.“
Gerade ist über Heiner Koechlin eine Biographie erschienen, die zwar detailliert über seine Lebensgeschichte Auskunft gibt, aber zumindest für „Auswärtige“ den Nachteil hat, Koechlin ein wenig zu sehr als Basler Lokalgröße zu porträtieren. Andererseits rückt durch diese „lokalistische“ Perspektive neben dem Denker stärker der Praktiker Koechlin in den Vordergrund, dessen vielfältiges soziales und politisches Engagement sich überwiegend im Rahmen seiner Heimatstadt abspielte.
Dankenswerterweise wird die Biographie um einen zweiten (Teil)Band mit „Ausgewählten Schriften“ Koechlins ergänzt, der neben vielen schwer zugänglichen Aufsätzen auch Auszüge aus bisher unveröffentlichten Manuskripten aus dem Nachlass enthält, denen eine baldige, vollständige Veröffentlichung zu wünschen wäre.
Franziska Schürch / Isabel Koellreuter (Hg.): Heiner Koechlin 1918-1996 . Porträt eines Basler Anarchisten. Ausgewählte Schriften, Friedrich Reinhardt Verlag, Basel 2013, zusammen 490 S., 40€.


Sinclair, Upton: Öl! Roman
Öl!Ein Schlüsselroman über die Tyrannei des Raubtierkapitalismus – jetzt fulminant neu übersetzt. Ein Glanzstück welthaltiger, engagierter Romankunst!
Lesebändchen, Leinen, bedruckt, mit einem Nachwort von Ilija Trojanow, 768 Seiten.
Aus dem amerikanischen Englisch von Andrea Ott.
Preis für Mitglieder 27,95 €, Originalverlagspreis 34,95 €,
Büchergilde
J. Arnold Ross hat es mit Ehrgeiz, Gerissenheit und Glück zum Erdölmagnaten gebracht, Sohn Bunny ist zum Erben seines „schmierigen Reichtums“ auserkoren. Doch statt sich seiner Privilegien zu freuen, verbringt er jede freie Minute auf den Erdölfeldern Kaliforniens und entdeckt dort seine Sympathien für die einfachen Leute. Fortan pendelt der junge Idealist zwischen den Sphären, ohne in einer davon je ganz heimisch zu werden: weder in den verschwörerischen Machtzirkeln seines Vaters noch im gärenden Arbeitermilieu, aber auch nicht auf dem Universitätscampus, geschweige denn in Hollywoods Glamourwelt. Zwischen allen Fronten stehend, muss er erkennen, dass das Leben ehernen Gesetzen von Habgier und Betrug gehorcht. Selten ist die Frage nach einer menschenwürdigen Gesellschaft literarisch eindringlicher gestaltet worden als am Schicksal des edelmütigen Ölprinzen Bunny Ross.


Syfo – Forschung und Bewegung 2013
Syfo 2013Das nunmehr dritte Jahrbuch des Instituts für Syndikalismusforschung legt seinen Fokus wie gewohnt auf die Geschichte der anarcho-syndikalistischen Bewegung. Dabei führen uns die in dieser Ausgabe versammelten Beiträge in unserer neuen Rubrik „Alle Welt“ kenntnisreich nach Südamerika, Russland und England.
Tim Wätzold berichtet über „Die Entstehung der Arbeiterbewegungen Südamerikas im Zusammenhang mit der europäischen Massenimmigration“ zwischen 1880 und 1920. In einem weiteren Beitrag stellt er den „Aufstieg und Fall“ der mexikanischen anarcho-syndikalistischen „Casa del Obrero Mundial“ ins Zentrum seiner Untersuchung.
Einen historischen und gleichzeitig aktuellen Einblick in die anarchistische Bewegung Russlands gewährt uns Wlad Tupikin mit seinem Beitrag über die Entwicklung des organisierten Anarchismus zwischen 1981-2012. Valentin Tschepego blickt etwas weiter zurück. Sein Beitrag behandelt das Aufkommen der Gewerkschaftsbewegung in England um 1830, den er unter den fragenden Titel „180 Jahre Syndikalismus?“ stellt.
Wolfgang Eckhardt, der wohl profilierteste Bakuninforscher, berichtet über den „6. Kongress der Internationalen Arbeiter Assoziation“ 1873 in Genf und die Aktivitäten des russischen Revolutionärs Michael Bakunin.
Interviews führten wir mit dem neuen anarcho-syndikalistischen Genossenschaftsverlag „Verlag Barrikade“ über ihre Arbeit und Absichten sowie dem „Interessenkreis Dokumentation“, welcher zur lokalen Geschichte des Anarcho-Syndikalismus in Dresden forscht.
Über die Bewegung in Deutschland berichten Helge Döhring und Ernst Binder. Helge Döhring informiert anschaulich über die Aktivitäten des anarcho-syndikalistischen antifaschistischen Kampfverbandes „Schwarze Scharen“ in der schlesischen Stadt Katscher. Ernst Binders Brief an Rudolf Rocker führt uns eindrucksvoll die Situation der anarcho-syndikalistischen Bewegung im Untergrund und ihre Verfolgung durch den faschistischen Staatsapparat vor Augen.
Besonders gefreut haben wir uns im letzten Jahr über den entstandenen Kontakt und die gute Zusammenarbeit mit Helmut Usinger, Sohn des anarcho-syndikalistischen Paares Maria und Georg Usinger aus Offenbach. Er selbst steuert autobiographisches über seine Zeit bei der FDJ bei. Maria Usinger (1904-1988) war Funktionärin in der „Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands“ (SAJD), und Helmut stellte uns aus ihrem literarischen Nachlass zwei bislang unveröffentlichte Artikel zur Verfügung. Marcel Faust stellt Clint Eastwoods „Der Texaner“ in einer Filmbesprechung vor.
Wie gewohnt wird das 120-Seiten umfassende Jahrbuch mit zahlreichen Informationen, Buchbesprechungen und Berichten aus der Arbeit, sowie der publizistischen Aktivität des Instituts abgerundet.
Syfo – Forschung & Bewegung, Nr. 3, Verlag Edition AV 2013, 120 Seiten, 10.00 €


Tschepego, Valentin (Hrsg.): MACHNO. Zeugnisse einer Bewegung.
Band 1: Von Freund und Feind
Für die einen waren sie reiche Großbauern, für die anderen Räuber, die es auf reiche Großbauern abgesehen haben. Im Russischen Bürgerkrieg, welcher nach der Revolution von 1917 ausbrach, polarisierte die ukrainische Machnowschtschina – die Machno-Bewegung ihre Gegner auf die unterschiedlichste Weise. Einen kleinen Einblick in diese „Sicht von außen“ gewährt der vorliegende Band.
Verlag Edition AV, 76 Seiten, 11,90 €


van der Walt, Lucien / Schmidt, Michael: Schwarze Flamme
Revolutionäre Klassenpolitik im Anarchismus und Syndikalismus
Aus dem Englischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Andreas Förster und Holger Marcks
»Eine wohldurchdachte und nuancierte Studie der intellektuellen, politischen und Sozialgeschichte des Anarchismus.« Steven Hirsch, University of Pittsburgh
Schwarze Flamme ist eine Geschichte der Gegenmacht: die Südafrikaner Lucien van der Walt und Michael Schmidt legen eine umfassende Systematik und internationale Geschichte des Anarchismus und eine Auseinandersetzung mit Kernfragen wie Organisierung, Strategie und Taktik vor.
Vom 19. Jahrhundert bis zu heutigen antikapitalistischen Bewegungen zeichnen sie anarchistische Traditionen und seine zeitgenössischen Formen nach und untersuchen anarchistische Positionen zu Rasse, Gender, Klasse und Imperialismus. Durch ihre entschieden konzeptionelle Herangehensweise stellen sie die bisherige Geschichtsschreibung in einen neuen Rahmen. Mit seinem großen Umfang und der internationalen Dimension der Materialsammlung – auch zu Lateinamerika, Asien und Afrika gibt es umfassende Informationen – darf das Buch bereits jetzt als Standardwerk anarchistischer Geschichtsschreibung gelten: systematisch, kontrovers und ausgesprochen gut lesbar.
Bereits vor dem Erscheinen auf Deutsch machte das Buch auch hierzulande Furore, weil manche Rezensenten den Anarchismus durch van der Walt & Schmidt in ein “syndikalistisches Korsett” gezwängt sehen. Dieser “konservativen Haltung der Besprechungen” entgegnen die Übersetzer im Nachwort.“
Ein Standardwerk zur Theorie und Praxis des weltweiten Anarchosyndikalismus der letzten 150 Jahre!
Verlag Edition Nautilus,
ISBN 978-3-89401-783-5, 560 Seiten, € (D) 39,90€


Veith, Martin: Unbeugsam. Ein Pionier des rumänischen Anarchismus – Panait Musoiu
Der Anarchismus in Rumänien erlangte vor dem Ersten Weltkrieg seine Blütezeit. Die Verbreitung anarchistischer Ideen ist eng mit Panait Mușoiu verbunden, dem herausragendsten libertären Publizisten des Landes. In der von ihm betriebenen “Bibliothek der Revista Ideei” erschienen anarchistische Klassiker, revolutionäre Literatur und Aufklärungsschriften in thematischer Vielfalt. In Rumänien, „dem Land, in dem das Denken ein Verbrechen ist, wo kein größerer und gefährlicherer Krimineller existiert, als der Denker” (Mușoiu), waren die freiheitlichen Ideen und ihre Protagonisten mit einer aggressiven Allianz aus Kapital, Kirche und Staat konfrontiert. In der multiethnischen Arbeiterbewegung fanden syndikalistische und anarchistische Ideen den größten Zuspruch. Prominente Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung, wie Ștefan Gheorghiu, verbreiteten die Schriften aus dem Hause Mușoiu und popularisierten die syndikalistische Kampfmethode der „direkten Aktion”. Er und der umtriebige Iuliu Neagu-Negulescu agitierten für parteiunabhängige, klassenkämpferische Gewerkschaften.
Die vorliegende Arbeit mit ausgewählten Erstübersetzungen stellt mehr dar als eine Biographie. Sie fördert zahlreiche fundierte Informationen über die Arbeiterbewegung Rumäniens zutage und vermittelt generelle Kenntnisse zur Landesgeschichte. Ihren Fokus legt sie auf die anarchistischen und syndikalistischen Strömungen.
Verlag Edition AV, 344 Seiten, 19,90 €


Wagner, Thomas: Die Mitmachfalle. Bürgerbeteiligung als Herrschaftsinstrument
Wagner, MitmachfalleLange Zeit erschallte der Ruf nach mehr Bürgerbeteiligung vor allem aus alternativen Milieus. Mittlerweile versprechen sich davon maßgebliche Kreise aus Politik und Wirtschaft, der schwindenden Zustimmung zu neoliberalen »Reform«- Projekten und Bauvorhaben wie »Stuttgart 21« entgegenzuwirken. Doch hinter der Beteiligungsfassade scheinen anti-demokratische Tendenzen einer Mitmach-Republik auf: Die realen Einflussmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger sowie von Parteien und Gewerkschaften werden effektiv beschnitten – ganz im Sinne der von Merkel proklamierten »marktkonformen Demokratie«. Zum ersten Mal werden die wichtigsten Bereiche der Mitmachfalle in Buchform gebündelt: Simulierte Partizipationskunst, Digitale Bohème, Bürgerplattformen, Community Organizing, Bürgerhaushalte, »strategische« Dialoge, Mediationsverfahren sowie die Rolle von Konzernstiftungen, Parteien und ideologischen Vordenkern. Denn wirklich demokratische Gegenstrategien zu entwickeln, setzt voraus, nicht in die Mitmachfalle zu tappen.
Thomas Wagner, Die Mitmachfalle, PapyRossa Verlag, 163 S., 12,90€.

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