Gegenseitige Hilfe in Zeiten von Corona

In den letzten Tagen sind in Bielefeld und in vielen anderen Städten wegen des Corona-Virus wichtige Solidaritätsgruppen und Nachbarschaftshilfen entstanden:

 

 

 

Wir als FAU rufen dazu auf, sich diesen Solidaritätsstrukturen anzuschließen oder anderweitig Hilfe anzubieten. Wenn ihr selbst nicht zu einer Corona – Risikogruppe gehört, dann fragt eure Nachbar*innen, ob ihr für sie einkaufen gehen oder Kinderbetreuung übernehmen sollt.
Die Rolle von uns als Gewerkschaft ist natürlich in Zeiten von Quarantäne und vielerorts wirtschaftlichem Stillstand eine besondere. Viele Menschen haben Angst, ihre Miete und andere Kosten nicht bezahlen zu können, wenn sie momentan als Mini – Jobber*innen, etc. nicht arbeiten können. Wir befürchten, dass viele anfallende Kosten und Missstände in Folge der Corona-Krise die Ärmsten der Gesellschaft treffen werden, weshalb wir gerade jetzt Organisierung für wichtiger denn je halten.
Wenn ihr Fragen zu Arbeitsrechten habt, dann empfehlen wir euch den Leitfaden der FAU Jena (https://jena.fau.org/), in dem unsere Schwestergewerkschaft Einschätzungen und Tipps zu arbeitsrechtlichen und gewerkschaftlichen Problemen sammelt. Bei konkreten Problemen meldet euch gerne über E-Mail bei uns:
faubi-kontakt@fau.org

Info-Seite über Arbeit in Zeiten der Coronakrise

Die Kolleg*inn*en der FAU Jena geben ab sofort ihre Info-Seite mit Hinweisen und Tipps zu arbeitsrechtlichen und betrieblichen Problemen in Zeiten der Coronakrise frei. Sie wird von der Recherche-AG täglich aktualisiert.

Wir hoffen, sie nützt zahlreichen Arbeiter*innen dabei, sich über ihre Rechte und Handlungsmöglichkeiten zu informieren und für ihre Interessen einzustehen. Wer dies mit gewerkschaftlicher Unterstützung tun möchte, kann gerne auf uns zukommen.

Der Link zur Seite lautet: jena.fau.org/corona

100 Jahre FAUD

Interview mit Helge Döhring vom Institut für Syndikalismusforschung (SyFo)
[von FAU Kaiserslautern]

Siehst du heute Potential für die FAU, an Zeiten vor 1933 anzuknüpfen, oder sollte sie sich deiner Einschätzung nach auf andere Branchen oder Regionen konzentrieren?

Schon in den 1920/30er Jahren hatten syndikalistische Organisationen massive Probleme, den fortschreitenden wirtschaftlichen Rationalisierungen entgegenzutreten. Die Kapitalisten entließen massenweise revolutionäre Arbeiter. In den Großbetrieben blieben somit diejenigen übrig, die sich treu dem kapitalistischen System andienten. Das ist bis heute so geblieben. Dem Syndikalismus ist es nicht mehr gelungen, dort Fuß zu fassen, das Netz der zentralgewerkschaftlichen Sozialpartnerschaft schlang sich immer enger um sozialrevolutionäre Potenziale in den Betrieben. Betrachten wir diejenigen Branchen, in denen die Syndikalisten vor 1933 aktiv waren:

Von Industrieverlagerungen ins Ausland sind besonders betroffen; der Bergbau, die Textilindustrie und die Metallindustrie. Diese Bereiche sind somit in Deutschland schwer syndikalistisch zu organisieren. Von Rationalisierungen betroffen sind zwar alle Industrien. Am wenigsten noch der Baubereich, hier werden im Gegenteil, Scharen an Gastarbeitern angeworben.

Weiterlesen? Hier geht’s zum Originalbericht.

Trotz Einschüchterungsversuch Erfolg vor Gericht

[Pressemitteilung der FAU Halle] FAU Halle
Pflegedienst wollte Minijobber*innen nicht auszahlen und Gewerkschaft mundtot machen. Gericht entscheidet: Auch geringfügig Beschäftigte haben Anspruch auf Nachtschichtzuschläge.

Am 28.11.2019 wurde am Arbeitsgericht Halle entschieden, dass auch Minijober*innen aus der Pflegebranche Anspruch auf Nachtschichtzuschläge haben. Die drei ehemaligen Pflegehilfskräfte hatten mit Hilfe der FAU Halle geklagt, nachdem sie im November 2018 gekündigt wurden. Sie wurden vorrangig nachts eingesetzt, erhielten dafür aber nie einen Ausgleich. Nun muss die Lebensdank Halle GmbH ihnen rund 3500 Euro an Nachtschichtzuschlägen und Urlaubsentgelt nachzahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

„Das Urteil ist gut für Menschen, die in prekären Teilzeitbeschäftigungen schuften und zeigt, dass es sich lohnt, sich zu wehren. Der Prozess hat aber auch offenbart, dass die gesetzlichen Normen die Schlechterstellung von Teilzeitbeschäftigten nicht klar verhindern.“, so die Sekretärin der FAU Halle, Lisa Birkigt. Die Lebensdank GmbH hat sich bis zuletzt gegen die Forderungen der Pflegehilfskräfte gewehrt. Unter anderem hatte sie versucht eine einstweilige Verfügung gegen die FAU zu erwirken, um weitere Proteste zu verbieten, war damit aber vor Gericht gescheitert.

„Ich kann nur sagen, wie wichtig es ist, mit den Kolleg*innen zu sprechen und sich über Probleme auszutauschen. Wenn wir, die sich immer weiter zuspitzenden Zustände in der Pflege ernsthaft verbessern wollen, dann schaffen wir das nur gemeinsam“, sagte eine der Betroffenen. Neben den Krankenhäusern muss auch in den ambulanten Pflegebetrieben ein höherer Organisationsgrad der Angestellten erreicht werden. Denn bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege-Branche, wirken sich auch auf die Qualität der Pflege aus.

Halle, den 29.11.2019

Kontakt:
Allgemeines Syndikat Halle/Saale (FAU)
Ludwigstraße 37, 06110 Halle/Saale
Web: halle.fau.org
Mail:fauhal-presse@fau.org
0176 54470263

„Streik!“

am Schwarzen Freitag, 29.11., 20 Uhr zeigen wir
im FAU-Gewerkschaftslokal, Metzer Str. 20, Bielefeld, den Film

„Streik!“
Nach „Der Wert des Menschen“ hat das Duo Stéphane Brizé (Regie, Drehbuch) und Vincent Lindon (Hauptrolle) einen weiteren ähnlichen Film gedreht, der in Frankreich bereits im letzten Jahr in den Kinos lief, sodass schon zu befürchten war, dass der Film in Deutschland gar nicht gezeigt würde. Unter dem schlichten, ein wenig einfallslosen Titel „Streik“. Da ist der Originaltitel „En guerre“ (bzw. der internationale Titel „At War“) schon expliziter.
Worum geht es? Der Autozulieferer Perrin, oder vielmehr der deutsche Mutterkonzern Dimke, beschließt, das Werk im südwestfranzösischen Agen wegen mangelnder Konkurrenzfähigkeit zu schließen. 1100 Beschäftigte sollen arbeitslos werden, was in einer strukturschwachen Region bedeutet, dauerarbeitslos zu bleiben, nur noch prekäre Jobs zu finden oder wegzuziehen. Die Sache ist insofern höchst pikant, als der Betrieb im Vorjahr noch 17 Millionen Euro Gewinn gemacht hat und weil die Direktion mit den Gewerkschaften vor zwei Jahren ein Abkommen geschlossen hat:
die Beschäftigten arbeiten 40 statt 35 Wochenstunden für den gleichen Lohn und verzichten auf alle Prämien und erhalten im Gegenzug eine fünfjährige Beschäftigungsgarantie. Wie ein Gewerkschaftler vorrechnet, haben die Beschäftigten innerhalb von zwei Jahren auf nicht weniger als 14 Millionen Euro verzichtet, um ihren Arbeitsplatz zu retten. Natürlich ist die mangelnde Konkurrenzfähigkeit nur vorgeschoben, das Unternehmen erwirtschaftet einfach keine – in den Augen der Aktionäre – ausreichende Rendite.
Wenn du mehr wissen willst, komm vorbei und schau dir den Film an.
Streik. Originaltitel: En guerre. Regie und Drehbuch: Stéphane Brizé, FR 2018, 110 mn. Sprache:
französisch, Untertitel: englisch

Gemeinschaft organisieren gegen die AfD

Von Maja Luc, Stadtsektion Potsdam der FAU Berlin | neues deutschland nd
Beitrag zur Debattenserie „Bewegt Euch!“ des nd über Perspektiven einer breiten links-gewerkschaftlichen und basisorientierten Bewegung mit konkreten Aktionen vor Ort als Mittel auch gegen braun-blau-autoritäre Strömungen

Aus dem Artikel
Wo Menschen sich als konkurrierende Fremde begegnen, ist Zusammenstehen undenkbar. Hier sollte Gewerkschaftsarbeit ansetzen. Auch als radikale Linke sollten wir uns an dieser Stelle mit einer konsequenten Klassenpolitik von unten in Arbeitskämpfe und soziale Kämpfe einmischen. Erfolgreich werden wir damit aber nur, wenn wir Menschen dazu ermächtigen, sich als wirkungsvolle politische Subjekte zu erleben, die ihre Kämpfe selbstbestimmt und aus eigener Kraft führen können. Neben der dafür nötigen Bildungsarbeit muss Gewerkschaft dabei vor allem eines: Solidarität organisieren.

Weiterlesen? Hier geht’s zum Originalbericht.

Bundesarbeitsgericht: Lohnraub weiterhin ohne Folgen für den Investor der Mall of Shame

Mall of shame, 06.10.2019

In der Klage zweier Bauarbeiter gegen die HGHI Leipziger Platz GmbH & Co. KG ist am 16.10.2019 das Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) gefallen. Es ging um die Frage, ob der Investor für nicht gezahlte Löhne haftet, wenn der Generalunternehmer und die Subunternehmen in die Insolvenz flüchten. Das letztinstanzliche Gericht der deutschen Arbeitsgerichtsbarkeit hat entschieden, dass die bestehenden Gesetze die Haftungsverantwortung des Investors nicht vorsehen, wenn das errichtete Gebäude nur vermietet und nicht verkauft wird. Die Taschen der Arbeiter bleiben erneut leer.

Strategische Insolvenzen?
Sieben Bauarbeiter, die an der Baustelle der Mall of Berlin 2014 um ihre Löhne geprellt wurden, hatten zunächst die verantwortlichen Subunternehmen vor Gericht gezogen. Als sie Recht bekamen, haben die Subunternehmen jedoch Insolvenz angemeldet oder sind einfach abgetaucht. Auch die Generalunternehmerin der Baustelle, die Fettchenhauer Controlling & Logistic GmbH (FCL), hatte Insolvenz angemeldet – bereits kurz nachdem die Proteste der FAU Berlin im Winter 2014 losgingen.
Nachdem bei den Subunternehmen und dem Generalunternehmen nichts zu holen war, sind zwei der Bauarbeiter den juristischen Weg weitergegangen und gegen die Bauherrin und Investorin, die HGHI Leipziger Platz, vor Gericht gezogen. Als größte Profiteurin und einziges solventes Glied in der Kette trägt sie Verantwortung für den Lohnraub auf der Baustelle.
Neben der HGHI Holding GmbH gibt es unzählige weitere Firmen mit dem Akronym HGHI in ihrem Namen, die ab und zu den Namen oder die Unternehmensform wechseln. Nach der Insolvenz der FCL arbeitete ein anderes Unternehmen mit dem Namen FCL, die Fettchenhauer Construction GmbH, bei der Baustelle LIO Lichterfelde wieder mit der HGHI zusammen. Die Insolvenz einer Firma scheint also kein Hindernis für das geschäftliche Treiben der Inhaber zu sein.
Die HGHI Leipziger Platz hielt es bisher nicht für nötig, Insolvenz anzumelden. Vielleicht weil sie sich schon sicher war, dass nach der Gesetzeslage ein Bauherr nicht dafür haftet, dass auf seiner Baustelle die Gesetze eingehalten werden und die Arbeiter bezahlt werden. Die Generalunternehmerin schon – daher wohl die strategische Insolvenz der FCL bereits im Winter 2014. Diese Vermutung hat das Urteil des BAG bestätigt.

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[AUS DER DA] Erneuerung und Reform der Arbeiterbewegung


Ein Plädoyer für den Anarcho-Syndikalismus – 

(Dieser Text wurde aus dem Englischen übersetzt. Er basiert auf der überarbeiteten Mitschrift eines Vortrags auf der 11. Global Labour University Conference: »The Just Transition and the Role of Labour: Our Ecological, Social, and Economic Future«, 28.-30. September 2016, Johannesburg, Südafrika.)

Danke für die Einladung zu diesem Panel [1], zusammen mit der Genossin Hilary Wainwright, einer Schlüsselfigur der britischen feministischen und sozialistischen Bewegung und Redakteurin von Red Pepper, dem Genossen Ozzi Warwick von der Oilfields Workers’ Trade Union in Trinidad und Tobago und dem Genossen Martin Egbanubi vom Michael Imoudu National Institute for Labour Studies in Nigeria. Es gibt eine erfreulich große Schnittmenge zwischen den unterschiedlichen Beiträgen, insbesondere durch den Fokus auf die Selbsttätigkeit und auf das immense schöpferische Potenzial der Arbeiterklasse und der armen Leute, als Organizer, als Rebellen und als Schöpfer neuer Modelle und Ideen.


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[UNI VON UNTEN #2] Betriebszeitung für Hochschulen

 

 

Aktuell abgreifen in unserem Gewerkschaftslokal könnt ihr die zweite Ausgabe der

UNI VON UNTEN

THEMEN:

  • Gewerkschaftliches Organizing
  • Organisierung studentischer Beschäftigter in Potsdam
  • HU Berlin auf Tarifflucht
  • Umstrukturierung der Prüfungsberatung in Jena
  • „Es geht nur mit den Studierenden“. Interview mit Tilman Reitz
  • „Frist ist Frust“. Kampagne zur Entfristung an Hochschulen