Fleisch als weitere Tragödie der Warenform

Fleisch ist eine kapitalistisch produzierte Ware und diese Warenförmigkeit verursacht zahlreiche Krisenphänomene, z. B. Stickstoffeinträge in die Gewässer, monokultureller Anbau von Futterpflanzen (Mais, Soja), qualvolle Lebensformen für die Tiere in den Ställen und die Ausbeutung der Arbeiter:innen in der Schlachtung und Fleischverarbeitung. Für die industrielle Fleischproduktion ist ein entwickelter Produktionsapparat erforderlich und dieser umfasst alle politischen, bürokratischen, wissenschaftlichen und ökonomischen Elemente der sog. Wertschöpfungskette, z. B. staatliche Tierversuchsanstalten zur Verbesserung der Tierzucht, Tierhaltungsanlagen, Schlachthöfe, Transportinfrastrukturen, staatliches Tierproduktionsrecht (Futtermittelrecht, Tierarzneimittelrecht, Tierseuchenrecht, Tierzuchtrecht).

Agrarwirtschaftliche Fleischproduktion und der entwickelte Fleischproduktionsapparat sind ein typisches Phänomen der verallgemeinerten Warenproduktion und zugleich ein eindrückliches Beispiel für die Bedeutung staatlich-politischer Regulierung gesellschaftlicher Naturverhältnisse für die kontinuierliche Aneignung sog. „natürlicher“ Ressourcen. Letztlich kann für die Fleischproduktion argumentiert werden, dass erst die staatlich-politische Schaffung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Expansion der globalen Fleischproduktion ermöglichte. So stellte die Humane Society International in ihrer Studie International Finance Institutions, Export Credit Agencies and Farm Animal Welfare dar, dass zwischenstaatliche Finanzierungsorganisationen, z. B. Unterorganisationen der Weltbank, und nationalstaatliche Finanzierungsintrumente, z. B. Exportkreditgarantien durch Exportkreditagenturen (ECA), zur massiven Vergrößerung der Tierhaltungsanlagen führen. Rettet den Regenwald verweist darauf, dass „internationale Finanzinstitutionen (IFIs), bei denen die EU-Staaten Mitglieder sind, stellen Finanzierungskapital für diese Anlagen bereit, auch wenn die Tierhaltung nicht einmal den EU-Normen entspricht. Beispiele für Internationale Finanzinstitutionen sind die International Finance Corporation (IFC, Teil der Weltbankgruppe) oder die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD)“ (Rettet den Regenwald 2016).

Die mit der Fleischproduktion verbundenen Krisenphänomene haben ihren Ursprung verallgemeinerten Warenproduktion zum Zweck der Kapitalakkumulation. Durch die enge Verbindung der ökonomischen Gesetzmäßigkeiten (Konkurrenz, Kostenreduzierungszwang, Wachstum, Profitabilität) der kapitalistischen Produktionsweise mit der staatlich-politischen Steuerung werden sozio-ökologische Systeme zertört.

Dabei sollen die sozialen Kosten der Verwertung menschlicher Arbeitskraft in der agrarwirtschaftlichen Fleischproduktion nicht unbenannt bleiben, die etwa durch die Arbeitsbedingungen in den Schlachtbetrieben entstehen.

Ausgehend von dieser theoretischen Fassung der Fleischproduktion als kontinuierliche Warenproduktion, welche dem Ziel der Kapitalakkumulation dient, werden zwischenstaatliche, nationalstaatliche und subnationale politisch-administrative Politikprozesse als Weichenstellungen für diese „Verdinglichung“ tierischer Lebewesen erfasst. Entsprechend gilt, dass etwa die globale Schweinefleischproduktion im Umfang von etwa 118,8 Millionen Tonnen Schlachtgewicht in 2015 (vgl. Deutscher Bauernverband 2016: Tierische Erzeugung) ohne staatlich-politische Steuerung und Förderung undenkbar ist. So kommt der staatlich-politischen Förderung des Baus von Tierhaltungsanlagen im Rahmen der Agrarinvestitionsförderprogramme (AfP) aus den Finanzmitteln für die „ländliche Entwicklung“ (Teil der europäischen und nationalstaatlichen Agrarpolitik) eine große Bedeutung zu.

Rettet den Regenwald führt zahlreiche Beispiele an, welche die Bedeutung der staatlich-politischen Anschubfinanzierung für den Ausbau der Tierhaltungsanlagen verdeutlichen. So „errichtete Miratorg, bereits Russlands größter Schweinefleischerzeuger, von 2011 bis 2015 eine große Hühnermastanlage im Westen Russlands. Die Anlage umfasst Elterntiere, eine Brüterei für 75 Mio. Eier und 7 Mastanlagen, in denen pro Jahr mehr als 50 Mio. Hühner in mehrstöckigen Käfigbatterien auf Laufbändern gehalten werden. Die Laufbänder transportieren den Kot ab und befördern schließlich auch die Hühner zu den Schlachttransportern. Für dieses aus den Niederlanden gelieferte System übernahm die niederländische ECA eine Exportkreditgarantie in Höhe von 7,4 Mio. Euro. Im November 2015 erhielt Miratorg die Bewilligung, Hühnerfleisch in die Europäische Union zu liefern“ (Rettet den Regenwald 2016). Ein weiteres Beispiel für die Bedeutung der öffentlichen Finanzierung von Stallbauprojekten ist nach Rettet den Regenwald das Unternehmen MHP (Myronivsky Hliboproduct). Dieses „strebt an, der größte Hühnerfleischproduzent Europas zu werden und ist ein bevorzugtes Ziel von Kapitalvergaben durch IFIs und ECAs. Das Unternehmen, das seinen Sitz in Luxemburg und seine Hühnermastanlagen in der Ukraine hat, erhielt seit 2003 mehr als 770 Mio. US-Dollar von IFIs (IFC: > 500 Mio., EBRD: 185 Mio., Europäische Investitionsbank (EIB): 85 Mio.). ECAs (v.a. die Niederlande) übernahmen Bürgschaften über mehr als USD 100 Mio. Dieses Kapital ermöglichte es MHP, zusätzlich zu den bestehenden Kapazitäten eine Megafarm mit 111,7 Mio. Masthühnern bei Vinnytsia zu errichten. Ab 2016 soll die Anlagengröße am selben Standort trotz Bürgerprotesten noch verdoppelt werden. MHP lieferte von Juni 2014 bis September 2015 insgesamt 36.150 Tonnen Geflügelfleisch an EU-Staaten, darunter die Niederlande, Deutschland, Belgien und Italien“ (Rettet den Regenwald 2016).

Neben solchen direkt kapazitätssteigernden und betriebswirtschaftlich wirksamen staatlich-politischen Finanzierungsmaßnahmen wirken staatlich finanzierte Innovationsprogramme, z. B. im Rahmen der öffentlichprivaten Kooperation im Bereich Tierzuchtverbesserungen, auf eine Expansion der Fleischproduktion und Effizienzsteigerung hin. So forschen beispielsweise in Bayern Wissenschaftlerinnen an den Standorten: „LfL-Institut für Tierzucht in Grub, dem TUM-Lehrstuhl für Tierzucht in Weihenstephan sowie den LMU-Lehrstühlen für Tierzucht bzw. Molekulare Tierzucht in München“ (Putz 2013: 9) hinsichtlich der Ressourceneffizienzsteigerung und der Verbesserung der Tierzucht in der agrarwirtschaftlichen Fleischproduktion. In solchen Landwirtschaftlichen Wissens- und Informationssystemen werden die technologischen Impulse für die Produktivkraftentwicklungen des agrarwirtschaftlichen Fleischproduktionsapparates gesetzt. Derartige öffentlich-private Partnerschaften, hier übernimmt der nationale Wettbewerbsstaat die Rolle als „ideeller Gesamtkapitalist“ mit dem Ziel der Steigerung der nationalen Wettbewerbsfähigkeit durch Produktivkraftentwicklung, steigern die Kapazitäten der Agrarwirtschaft zur Transformation von tierischen Lebewesen in Waren als Akkumulationsbedingungen. Zu den Beschäftigungsbedingungen in der Fleischindustrie, als ein Aspekt der sozioökologischen Krisenhaftigkeit der Warenförmigkeit des Fleisches, wird im Text Migration, refugees and labour festgestellt, dass „in Germany, too, the downward segmentation of the labour market through the specific combination of technical development and migrant cheap labour enabled many young German workers to escape sinking wage levels by moving into more qualified jobs. One example is the regional boom in the Oldenburger part of the Munsterland in western Germany. Although an estimated 25,000 jobs were lost in the meat industry up until the year 2005, during the same period the total figure of livestock slaughter has doubled and a ‘cluster’ of food processing and machine engineering industries was established. According to the estimates of the trade union NGG [food and hospitality] only 10 per cent of all workers employed in the meat industry have permanent contracts, if one includes the unofficial butcher-teams, industrial cleaners and packaging workers, who are nor- 8 mally excluded from the category ‘employees in meat industry’. ‘Officially’ a quarter of all workers are employed as migrant contract workers of foreign companies – nearly seven times as many as in 2011” (libcom.org 2016). Trotz eines Verlustes von ca. 25.000 Jobs in der Fleischindustrie im Oldenburger Land konnten im selben Zeitraum die geschlachteten Fleischmengen dank technischer Produktionsverbesserungen verdoppelt werden und es entstand ein „Netzwerk von Produzenten, Zulieferern, Forschungseinrichtungen (z. B. Hochschulen), Dienstleistern (z. B. Design- und Ingenieurbüros), Handwerkern und verbundenen Institutionen (z. B. Handelskammern) mit einer gewissen regionalen Nähe zueinander“ (Wikipedia: Cluster) für die Nahrungsmittelverarbeitung und die Maschinenindustrie. Das Beispiel Oldenburger Land verdeutlicht die Bedeutung der engen Kooperation zwischen privatwirtschaftlichen Unternehmen, staatlichen Bürokratien und (staatlichen) Forschungseinrichtungen für die Entwicklung eines wettbewerbsfähigen Produktionsapparates. Die beschriebene Bedeutung des Zusammenwirkens staatlicher und privatwirtschaftlicher Akteurinnen für die Ausweitung der Produktion trifft auch auf die globale Milchproduktion zu. Eckehard Niemann beschreibt in seinem Artikel Globaler Gigantismus – Über die weltweit zunehmende Verlagerung der Milchviehhaltung in Agrarfabriken, dass gegenwärtig die meiste Milch auf der Welt noch in bäuerlichen Betrieben erzeugt werde. Allerdings würde es in einer gegenläufigen Entwicklung zu einem weltweiten Bau von Mega-Milchviehfarmen kommen. Niemann verweist darauf, dass der größte Milchviehbetrieb der Niederlande 2.000 Kühe halte (Niemann 2015: 37). Dagegen gebe es in Saudi-Arabien Milchviehfarmen mit 19.000 (ANada-Dairy) und 32.000 (Al Safi) Kühen. Auch in den USA gebe es eine Milchviehfarm mit 32.000 Kühen (Fair Oaks Farm in Indiana). In China betreibe der neuseeländische Molkereikonzern Fonterra eine Farm mit 15.000 Kühen in fünf Teilbetrieben (Niemann 2015: 38). Die Abhängigkeit der Fleischproduktionsapparate, das gilt auch für die Milchproduktion, von Regionen und Staaten aus denen die Rohstoffe (Futtermittel, etc.) für die Ausweitung der Fleischproduktion geliefert werden, ist eine weitere Krisendimension der Warenform des Fleisches. Das Beispiel Fleischproduktion, als zentraler Bestandteil der globalen Nahrungsproduktion, verdeutlicht die enge Verbindung zwischen staatlich-politischer Regulierung, hierzu zählen z. B. (fehlende) Vorgaben für den Platz den einzelne Tiere in den Ställen haben dürfen, und Förderung der Produktionsausweitung einerseits und der profitorientierten, betriebswirtschaftlichen Organisation der Ausbeutung von tierischen und menschlichen Lebewesen und ökologischen Systemen andererseits. Deutlich wird an diesem Beispiel auch der Zusammenhang zwischen Staatlichkeit, Zentralismus und Wachstum. Staatliche Bürokratien und politische Entscheidungsträgerinnen fördern die Ansiedlung von Industrien und Produktionsinfrastrukturen an zentralen Orten. Neben einer Konzentration der Produktionsmittel in den Händen weniger Investoren werden dadurch auch die Produktionsstandorte räumlich konzentriert. Dadurch treten ökologische Krisen auf, welche aus der staatlich-politischen und privatwirtschaftlichen Konzentration und Zentralisation der Produktion folgen. Diese Konzentrationsprozesse des Kapitals erzeugen bei örtlich Betroffenen immer häufiger Widerstand.

Quellen
Deutscher Bauernverband (2016), Situationsbericht 2015/2016, abrufbar unter: http://www.bauernverband.de/64-tierische-erzeugung-664087

Humane Society International (2016), International Finance Institutions, Export Credit Agencies and Farm Animal Welfare, abrufbar unter: http://www.hsi.org/assets/pdfs/ifi-report.pdf

Libcom.org (2016), Migration, refugees and labour, abrufbar unter: http://libcom.org/blog/migration-refugees-labour-21022016

Longo, Stefano B./ Clausen, Rebecca/ Clark, Brett (2015), The Tragedy of the Commodity – Oceans, Fisheries and Aquaculture, Rutgers University Press: New Brunswick, New Jersey, and London

Niemann, Eckehard (2015), Globaler Gigantismus – Über die weltweit zunehmende Verlagerung der Milchviehhaltung in Agrarfabriken, S. 37-38, in: Der kritische Agrarbericht 2015, Schwerpunkt: Agrarindustrie und Bäuerlichkeit, Herausgeber AgrarBündnis e.V.

Putz, M. (2013), 95 Jahre staatliche Tierzuchtforschung in Bayern, in: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Tiere züchten − High Tech und Verantwortung, Tierzuchtsymposium 2013, abrufbar unter: http://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/publikationen/daten/schriftenreihe/056689_schriftenreihe_10_2013.pdf

Rettet den Regenwald (2016), Tierfabriken stoppen, abrufbar unter: https://www.regenwald.org/aktion/1048/bitte-unterschreiben-tierfabrikstoppen?mtu=146689556&t=1820#more

Redebeitrag “Situation der Arbeiter:innen in der Tierindustrie”

Wir von der Gewerkschaft FAU Bielefeld wollen zusätzlich zu den richtigen und wichtigen Beiträgen zum Leid der nichtmenschlichen Tiere in diesem System zusätzlich auf die Situation der menschlichen Arbeiter:innen in der Tierindustrie eingehen.

Vor allem durch das Corona-Virus sind die unwürdigen Zustände in der Tierindustrie in die Öffentlichkeit gezerrt worden: Die Arbeiter:innen müssen in großen Zahlen in viel zu beengten Unterkünften leben und ungeachtet ihres Gesundheitszustandes zur Arbeit kommen, dazu kommt das Infektionsrisiko durch die enge Zusammenarbeit in mit Blut und Fäkalien verschmutzten Bereichen.

Ein kurzer Aufschrei, der schnell wieder verhallt ist. Dass die Bedingungen vorher genauso schlimm waren und dass sie es jetzt immer noch sind, scheint nur Wenige zu interessieren. Die Politiker:innen scheinen froh zu sein, dass sie das alles wieder unter den Teppich kehren können und in den Massenmedien nicht mehr thematisiert wird, dass sie selbst am Aufbau und der Erhaltung des Systems beteiligt sind.

Zum Teil liegt das mangelnde Interesse großer Teile der Öffentlichkeit sicherlich auch daran, dass viele Menschen die Tierindustrie im Alltag komplett aus ihren Gedanken verbannen, weil die Ungerechtigkeiten zu offensichtlich sind. Jede Person, die sich ernsthaft mit dem System Tierindustrie befasst, muss den Kapitalismus und unsere von unsinnigen und grausamen Hierarchien geprägte Beziehung zu nichtmenschlichen Tieren allgemein infrage stellen.

Ein anderer Aspekt ist wahrscheinlich, dass die Arbeiter:innen größtenteils aus Osteuropa kommen und viele von ihnen kein oder kaum Deutsch sprechen, was es besonders leicht macht, ihnen Informationen über ihre Rechte vorzuenthalten und sie auszubeuten – Eine Ausbeutung, von der wir profitieren, weshalb das Interesse, sie zu beenden, häufig gering ist.

Etwa drei Viertel der 100.000 Arbeiter:innen in deutschen Schlachthöfen haben Werkverträge, was bedeutet, dass sie im Vergleich zur Stammbelegschaft unter schlechteren Arbeitsbedingungen leiden müssen und gerade mal Hungerlöhne bekommen.

Ungefähr 30.000 dieser Werkvertragsarbeiter:innen stammt aus Osteuropa, meist Bulgarien oder Rumänien. Und neuerdings auch Einige aus der Ukraine, da Tönnies viele Geflüchtete erpresst hat, indem ihnen Transport und Unterkunft zugesichert worden sind, wenn sie einen Arbeitsvertrag unterschreiben – für 11 Euro brutto und ohne ihre Familien mitnehmen zu können, während Tönnies im Jahr 2021 zum Beispiel einen Rekordumsatz von 6,2 Milliarden Euro hatte.

Es sind Fälle an die Öffentlichkeit gekommen, in der diesen Arbeiter:innen direkt verboten worden ist, überhaupt mit der Stammbelegschaft zu reden – Ein Verbot, das sogar durch Sicherheitskräfte umgesetzt wird. Es soll um jeden Preis verhindert werden, dass die Werkvertragsarbeiter:innen über ihre Rechte aufgeklärt werden können und das sollte jede Illusion darüber nehmen, dass diese Menschen „froh sein sollten, überhaupt Jobs zu haben.“

Dazu kommt auch der ständige Zwang, immer mehr Tiere in immer weniger Zeit abfertigen zu müssen. Dadurch wird einerseits der psychische Druck auf die Arbeiter:innen erhöht, andererseits werden auch Flüchtigkeitsfehler häufiger, die extremes Tierleid nach sich ziehen.

Was macht es mit einem Menschen, tagtäglich Kälber von ihren Müttern zu trennen oder schreienden Lebewesen einen Bolzenschuss nach dem anderen zu setzen, nur um genug Geld zu verdienen, um selbst über die Runden zu kommen? Viele fliehen in den Alkoholismus, um ihren Alltag irgendwie ertragen zu können.

Eine Studie der University of South Africa hat herausgefunden, dass Arbeiter:innen in einem Schlachthaus häufig zu emotionaler Abwesenheit, Drogenmissbrauch, Verlust der Konzentrationsfähigkeit, Schlafstörungen, Depressionen und gewalttätigeren Handlungen neigen.

Ein anonymer Mitarbeiter eines Schlachthauses hat Folgendes in einem Artikel für den BBC geschrieben: „Während ich Tag für Tag in diesem großen, fensterlosen Kasten verbracht habe, hat sich meine Brust immer schwerer angefühlt und grauer Nebel hat sich über mich gelegt. In der Nacht hat mich mein Verstand mit Albträumen verspottet und einige der Gräuel, die ich über den Tag erlebt habe, immer wieder abgespielt.“

Nicht nur die psychischen Folgen sind schrecklich, gleichzeitig ist die Arbeit körperlich anstrengend und gefährlich. Der tägliche Umgang mit großen Lebewesen in Todesangst und scharfen Klingen und Haken sorgt für zahlreiche Verletzte, die häufig nicht einmal zum Arzt gehen dürfen, sondern einfach weiterarbeiten müssen. Dazu kommen auch Verletzungen und chronische Schmerzen, die durch die repetitive, anstrengende Arbeit entstehen.

Und dass auch die menschlichen Arbeiter:innen unter schrecklichen Bedingungen leben und arbeiten und immer wieder physische Verletzungen und traumatische Erfahrungen erdulden müssen, wirkt sich wiederum auf die Situation der nichtmenschlichen Tiere aus, wenn Arbeiter:innen nicht mehr in der Lage sind, sie ordentlich zu betäuben oder sogar ihre eigene Verzweiflung an ihnen auslassen.

Die Veterinärämter, die eigentlich die Bedingungen in den Schlachthöfen beobachten und Verstöße melden müssen, werden täglich Zeuge dieser Misshandlungen und helfen den Schlachthöfen teilweise sogar, die Beweise gegen sie zu vernichten, wenn die Zustände aufgedeckt werden. Kein Wunder, denn Kontrolleur:innen können von den Betrieben einfach gefeuert werden, wenn sie zu unbequem werden.

Natürlich könnten jetzt tausende Forderungen an die Politik oder Besitzer:innen der Unternehmen in der Tierindustrie gestellt werden, in denen darum gebettelt wird, dass an Schraube xy doch ein bisschen gedreht werden sollte, um die Bedingungen wenigstens ein bisschen zu verbessern.

Aber das reicht uns nicht, denn das würde die Ausbeutung nicht verhindern, höchstens verschleiern. Die komplette Tierindustrie muss abgeschafft werden, gemeinsam mit jeder industriellen Verwertung und Verdinglichung von Lebewesen!

Den Arbeiter:innen in der Tierindustrie gilt allerdings unsere vollste Solidarität und Unterstützung. Ihnen muss ein neuer Arbeitsplatz zugesichert werden in einer Industrie, die weder nichtmenschliche noch menschliche Tiere ausbeutet.

Dieses System schadet allen, die damit in Berührung kommen. Es zerstört die Leben von menschlichen und nichtmenschlichen Tieren und den Planeten noch dazu. Machen wir endlich Schluss damit und tragen wir unseren Teil zu einer Realität bei, in der alle Lebewesen frei sein können!

Quellen:
Ausbeutung in Fleischindustrie: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/was-insider-uber-die-ausbeutung-in-der-fleischindustrie-verraten-5066875.html

Psychische Folgen (Artikel): https://greenstarsproject.org/2020/05/04/social-impact-meat-industry-slaughterhouse-conditions-ptsd/

Psychische Folgen (Studie): https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4841092/
Corona im Schlachthof: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/wenn-das-kotelett-knapp-wird-4166134.html

Situation in den USA: https://aldf.org/article/industrial-animal-agriculture-exploiting-workers-and-animals/#easy-footnote-13-29099

BBC-Bericht eines Mitarbeiters: https://www.bbc.com/news/stories-50986683

Tönnies wirbt Geflüchtete an: https://taz.de/Toennies-wirbt-ukrainische-Gefluechtete-an/!5845384/

Transport- und Vermittlergebühren: https://www.wsws.org/de/articles/2020/06/23/toen-j23.html

Tönnies Umsatz 2021: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/nahrungsmittel-fleischkonzern-toennies-verliert-fast-eine-milliarde-euro-umsatz/28280590.html

Redebeitrag “Wir zahlen nicht für ihre Krise”

Egal, ob im Supermarkt, in den Nachrichten oder beim Job oder Amt: Die negativen Auswirkungen dieses Systems werden immer sichtbarer. Preise für Lebensmittel, Gas und Benzin steigen und während die Konzerne Rekordgewinne einfahren, werden die angeblichen unternehmerischen Risiken direkt als Gasumlage auf uns abgewälzt.

Wir alle haben diese Erzählung schon zur Genüge hört: Erst wurde uns erzählt, dass die Chef:innen mehr verdienen, weil sie härter und mehr arbeiten. Wenn mensch dann allerdings herausfindet, dass Jeff Bezos in 10 Sekunden mehr bekommt als eine bei Amazon angestellten Person im Jahr, ist klar, dass er nicht wirklich so hart arbeiten kann. Dieser Unterschied lässt sich nicht rechtfertigen!

Sobald diese Lüge enttarnt wird, wird uns gleich das nächste Märchen vorgesetzt: Die Unternehmer:innen tragen ja das finanzielle Risiko und sollten deshalb mehr entlohnt werden. Aber die Realität zeigt, dass ein großes Unternehmen nach dem anderen mit Steuerzahlungen gerettet wird und wir am Ende alle die Risiken tragen.

Und das Bundeswirtschaftsministerium gibt sogar zu, dass die Gasumlage nicht einmal dazu da ist, um Unternehmen vor der Insolvenz zu retten! Stattdessen erklärt Sprecherin Susanne Ungrad mit der Aussage “Wir stehen auf dem Standpunkt, dass ein Unternehmen auch Gewinne machen muss” klipp und klar, dass es darum geht, deren Gewinne in trockene Tücher zu bringen.

Dabei ist die Gasumlage nicht einmal das größte Problem in dem Bereich: Die Gaspreise sind seit August 2021 um 184% gestiegen!

Auf dem Papier steigen zwar auch die Löhne, im Endeffekt können wir uns aber weniger davon leisten, weil die Inflationsrate und damit die Steigerung der Lebenserhaltungskosten über dem Lohnanstieg liegen. Und trotzdem kämpfen sozialpartnerschaftliche Gewerkschaften wie vom DGB meist weiter für mickrige Lohnerhöhungen, die am Ende immer noch einen Verlust bedeuten. Einen Verlust von 4,4% im zweiten Quartal dieses Jahres!

Wir sollen den Gürtel enger schnallen und in den Chefetagen knallen die Korken. Und trotzdem wollen Politiker:innen und Wirtschaftsmagnate uns weismachen, dass die Trennung nicht zwischen unten und oben, sondern zwischen Arbeiter:innen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Geschlechts oder Glaubens besteht!

Arbeiter:innen, das umfasst Geflüchtete, Handwerker:innen, Erwerbslose, Wohnungslose, Büroangestellte, Pflegekräfte – also alle, die weder andere Menschen noch ihr Geld für sich arbeiten lassen können.

Bei dieser künstlichen Spaltung ist natürlich kalkuliert, dass wir vereinzelt und verzweifelt nicht gegen die geballte Macht von Politik und Wirtschaft bestehen können. Lassen wir uns also nicht isolieren und gegeneinander aufhetzen, sondern stehen wir zusammen für Veränderungen ein!

Das kann schon im Kleinen anfangen, indem wir das Schweigen überwinden und mit unseren Kolleg:innen und Nachbar:innen offen über unsere Probleme wie unbezahlte Überstunden oder die momentanen Gaspreise reden. Auch wenn uns eingetrichtert wird, dass es unser individuelles Versagen ist, wenn wir damit zu kämpfen haben, den Alltag zu bewältigen, sind wir alle auf irgendeine Weise betroffen.

Wichtig ist zum Beispiel, mit Kolleg:innen und Bekannten über unser Gehalt und unsere Arbeitsbedingungen zu reden, denn nur so können wir den Grundstein dafür legen, uns gemeinsam zur Wehr zu setzen. Übrigens sind Klauseln in Arbeitsverträgen, die scheinbar zum Schweigen über das Gehalt verpflichten, niemals gültig und nur eine Einschüchterungstaktik.

Sowieso ist es Zeit, sich von dieser Leistungsmentalität abzuwenden. Die ersten Folgen des Klimawandels haben sogar das in diesem Bereich priviligierte Deutschland erreicht, und langsam kann keine Person mehr leugnen, dass unendliches Wachstum auf einem endlichen Planeten eine beschissene Idee ist. Denn der Kapitalismus kann nur funktionieren, wenn immer mehr Profit generiert wird – blöd nur, dass irgendwann alle Märkte ausgereizt sind und Menschen und Umwelt kurz vor dem Kollaps stehen.

Dieser ständige Zwang, alles aus jeder einzelnen Minute holen zu müssen und bis zum Zusammenbruch zu arbeiten, lässt kein gesundes Leben mehr zu. Es ist Zeit, dass wir nicht mehr stolz darauf sind, wie gut wir uns ausbeuten lassen und dass wir uns nicht mehr gegeneinander ausspielen lassen, sondern die Bedürfnisse aller zu akzeptieren und respektieren lernen.

Dazu gehört, dass wir aufhören, auf Leute, die vermeintlich oder wirklich weniger Profit durch ihre Arbeit generieren, herabzublicken und uns auch selbst eingestehen, dass wir nur Menschen sind, die alle unterschiedliche Grenzen haben.

Genauso wichtig wie der Bewusstseinswechsel ist es, für konkrete Veränderungen einzustehen und zum Beispiel nicht immer direkt zu springen, wenn der Boss etwas verlangt.

Wir können diese Krise nur zusammen überstehen, indem wir uns mit Geld oder Hilfestellungen wie Reparaturen oder Babysitten unter die Arme greifen. Aber wenn wir uns nur verteidigen, um uns gerade so über Wasser zu halten, wird sich nie etwas ändern – Wir müssen auch zum Angriff übergehen.

Ob mit Streik, Sabotage oder ob wir einfach mal einen Gang runterschalten bei der Arbeit, es gibt trotz allem verschiedene Möglichkeiten, Gegenmacht aufzubauen.

Unterstützen wir uns gegenseitig bei Stress mit Bossen, Vermieter:innen und Sachbearbeiter:innen. Setzen wir dem ständigen Druck von oben etwas entgegen und nehmen wir uns endlich, was uns zusteht!

Redebeitrag “Menschen über Profite – Hoch die Solidarität”

Liebe Freund:innen,
wir freuen uns, Teil des Bündnisses zu sein und mit Euch gemeinsam und selbstorganisiert auf die Straße zu gehen. Gerade in diesen schwierigen Zeiten ist es wichtig, Grenzen hinter uns zu lassen und zusammenzuarbeiten, denn am Ende haben wir alle das gleiche Ziel: Ein gutes Leben für alle. Und dafür müssen wir dieses System, das dem entgegensteht, gemeinsam überwinden.

Wir erleben, dass sich der Kapitalismus von Krise zu Krise hangelt und Geld als Schmiermittel braucht, um Wachstum zu generieren, um sich selbst zu erhalten, um uns alle einschließlich des Planeten zu missbrauchen, zu benutzen und letztendlich zu töten. Und was tun wir dagegen?

Wir sind Mitglieder in der Freien Arbeiter:innen-Union, der F A U, einer basisdemokratischen und kämpferischen, selbstorganisierten und internationalistischen Gewerkschaft. Wofür wir stehen, das werden wir immer wieder einflechten und zum Schluss ausführlicher darstellen.

Geld…
ist eine schwierige Sache, zu der wir ein zwiespältiges Verhältnis haben. Einerseits wollen wir es abschaffen, andererseits sind wir momentan noch davon abhängig und leiden darunter, dass wir oft zu wenig davon haben.

Aber wir alle brauchen es, um Lebensmittel zu kaufen, die Miete zu zahlen, zur Arbeit zu kommen, ins Kino zu gehen und unser Leben zu genießen.

Ohne sind wir arm dran, können all dies nicht oder nur eingeschränkt machen und sind abhängig von staatlichen Leistungen und damit auch der Willkür des Staates.

Und noch können wir es nicht komplett durch gegenseitige Hilfe, Umsonst-Läden, Food-Sharing, Containern, eigene Kunst und DIY ersetzen.

Geld…
ist das Schmiermittel des Kapitalismus, es muss immer mehr Profit generiert werden, Wachstum ist das Mantra der Liberalen seit Jahrhunderten. Doch dieses Wachstum kommt den Menschen, die es produzieren, nicht zugute. Im Gegenteil, Leben und Lebensglück fast aller Lebewesen auf diesem Planeten werden der Anhäufung von Profiten untergeordnet.

Sozialpartnerschaftliche Gewerkschaften setzen hier immer auf den alten Gaul „Lohnsteigerung“ mittels Verhandlungen mit den Bossen und auf Tarifverträge. Sie halten das kapitalistische System mit am laufen, anstatt es zu stören oder sogar abzuschaffen, indem sie die Arbeiter:innen mit vermeintlichen “Verbesserungen” befrieden. Alle paar Jahre fordern sie ein paar Prozente mehr, also mehr Geld. Doch was heißt das?

Die Kolleg:innen die wenig verdienen, profitieren von prozentualen Erhöhungen immer weniger, als die, die mehr verdienen. Das ist die 1.Schweinerei, da die Lohnunterschiede mit jedem Tarifabschluss steigen. Die Schere zwischen besser und wenig Verdienenden klafft immer weiter auseinander.

Dies ist politisch fatal, wir Arbeiter:innen werden gespalten. Dagegen helfen nur Forderungen nach absoluten Lohnerhöhungen in Euro, besser noch gestaffelt. Auf diese Weise kann die Schere zwischen Armen und Ärmeren direkt angegangen werden, durch nicht nur gefühlte, sondern tatsächliche, reale Entlohnung für die wichtigen, aber gesellschaftliche verkannten Berufe – Gleicher Lohn für alle, da alle gleich wichtig sind.

Die Schere zwischen besser und wenig Verdiener:innen könnte sich allmählich schließen. Aber da haben weder die Bosse noch DGB-Funktionär:innen ein Interesse dran: Teile und herrsche lautet da immer noch die Devise!

Wir sollten nicht akzeptieren, dass die Eigentümer:innen der Produktionsmittel den von Arbeiter:innen erzeugten Mehrwert abschöpfen, sondern dafür kämpfen, dass diejenigen, die den Mehrwert erzeugen, ihn auch behalten können!

Die 2. Schweinerei sind die Laufzeiten der Tarifverträge. Mittlerweile gehen diese über mehrere Jahre, ganz gleich ob in der Metallindustrie, im Krankenhaus, im Büro oder im Handwerk. Da werden dann, wie jüngst bei der IG-Metall 6,8% Lohnerhöhung als Erfolg verkauft. Beträgt die Laufzeit allerdings 2 Jahre, bedeutet das rein rechnerisch, dass wir nur eine Erhöhung von 3,4% jährlich haben, und bei einer Inflation von ca. 8% heute bedeutet dies einen Reallohnverlust von über 4%!

Das Tarifvertragsrecht gibt uns die Sicherheit, dass dieser Tarifvertrag über die vollen 2 Jahre gültig ist, sagt aber auch, dass wir nicht kurzfristig und schnell auf Veränderungen reagieren können – und dürfen! Pech gehabt, wenn du deine Nachzahlungen auf die Warmmiete Anfang nächsten Jahres nicht zahlen kannst. Da heißt es EINSCHRÄNKEN!

Die nächste Schweinerei: wir dürfen nicht streiken, um unseren berechtigten Forderungen nach mehr Geld kurzfristig Nachdruck zu verleihen – Auch wenn ver.di (im Juli 2022) postet: „Streiks sind zulässig! – Du darfst streiken!“

Das ist so nicht immer richtig, da wir bis Ablauf des Tarifvertrages nicht streiken dürfen. Das nennt sich „Friedenspflicht“ und heißt, dass wir nicht auf sich ändernde gesellschaftliche Situationen reagieren können, nicht auf die Inflation, nicht auf Verschlechterungen der Situation im Betrieb, nicht auf das, was durch den Tarifvertrag erfasst ist, z.B. die Pflicht zur Ableistung von Überstunden.

Wir sehen also, dass Tarifverträge sehr 2-schneidige Instrumente sind, die uns vor An- und Übergriffen der Bosse schützen sollen, dies aber nicht immer tun, denn wenn sich z.B. der gesellschaftliche Rahmen ändert oder die Chef:innen einen Weg finden, die Einigungen zu umgehen, sind wir dieser Situation ausgeliefert.

Ich könnte auch noch mehr dazu sagen, wie „demokratisch“ Tarifverträge zustande kommen, dass zwar 75% der Mitglieder der DGB-Gewerkschaften für einen Streik, aber nur 25% für sein Ende und damit die Annahme des neuen Tarifvertrages, egal wie beschissen der ist, stimmen müssen. Aber das muss bis hier erstmal reichen.

Wofür steht nun die Freie Arbeiter:innen-Union, die FAU, als politische Gewerkschaft?
Unser Grundsatz ist der altbekannte aus der Arbeiter:innen-Bewegung: Wir bekommen nur das, wofür wir kämpfen. Das tut keine Partei, kein:e Funktionär:in oder höheres Wesen für uns. Ein WIR gibt es erst, wenn wir uns zusammenschließen, in der Gewerkschaft organisieren und dem Klassenkampf von oben unsere Solidarität entgegensetzen – Das kann gerne auch anfangen, indem ihr mal am Montag zwischen 16 und 18 Uhr zur gewerkschaftlichen Beratung kommt, wenn ihr Stress auf der Arbeit oder beim Amt habt, oder einfach auf Kaffee oder Tee ins Lokal vorbeikommt.

In den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl der Mitglieder in der FAU bundesweit ungefähr ver-6-facht. Wir führen selber Verhandlungen mit den Bossen, wir schreiben nicht einfach folgenlos Forderungen auf Papier, wir ändern die Wirklichkeit, verbessern unseren Alltag, unsere Arbeitsbedingungen. Wir streiken in kleinen Betrieben, mit wenigen Mitarbeiter:innen, egal, ob Blumenladen oder Kneipe. Wir organisieren Streiks in Konzernen mit, wie letztes Jahr bei der Oetker-Tochter „Durstexpress“ – heute übrigens als „Flaschenpost“ bekannt – das heißt, wir stehen zusammen gegen miese Arbeitsbedingungen, lange Schichten, Überstunden ohne Ende und Bezahlung, ausstehende Löhne, Kündigungen, Kürzungen des Urlaubs usw.

Oft sind es gerade die Arbeitsbedingungen, die unser Leben kaputt und uns krank machen, uns vereinzeln, wenn wir abends müde ins Bett fallen und uns nicht mehr mit Freund:innen treffen können, nicht am sozialen und politischen Leben teilnehmen können. Das ist die nächste Schweinerei.

Willkommen in der realen Welt kapitalistischer Lohnarbeit. Da hilft kein Tarifvertrag, wenn der Boss sagt, dass du heute länger bleibst, und das auch noch umsonst. Und auch kein:e ver.di-Funktionär:in. Da hilft nur organisieren und streiken, kämpferische und basis-demokratische Betriebsgruppen und Gewerkschaften gründen.

Wir laden euch ein, werdet Mitglied in der FAU. Wir kämpfen zusammen für ein besseres Leben für alle, weltweit, ohne Staaten, Grenzen, Patriarchat und Kapital! Das ist unsere Solidarität! Kapitalismus tötet, entmenschlicht uns und macht uns zu Faktoren in seinen Berechnungen, um möglichst viel Profit aus uns zu quetschen. Lasst uns solidarisch dagegenstehen, denn uns gehen Menschen vor Profiten!

Zum Schluss möchten wir noch ein Zitat aus dem empfehlenswerten Buch „Eine Frage der Chemie“ von Bonnie Garmus anbringen. Darin geht es um eine Wissenschaftlerin, Chemikerin, die von der Männerwelt geschasst, vergewaltigt und aus der Uni vertrieben wird und als Chemikerin in einer Kochsendung im Fernsehen landet, denn Kochen ist Chemie! Sehr interessant, bissig, humorvoll und krass!

Zuletzt schmeißt sie die Brocken im TV aber hin, mit flammenden Abschiedsworten an ihr vorwiegend weibliches Publikum, live im Studio:

“Wenn Selbstzweifel Sie beschleichen”, sagte sie und wandte sich wieder dem Publikum zu, “wenn die Angst sie packt, denken Sie immer daran, dass Mut der Grundstein für Veränderung ist. Und wir sind chemisch dazu angelegt, uns zu verändern. Fassen Sie also morgen beim Aufwachen folgenden Vorsatz: Keine falsche Zurückhaltung mehr. Kein Unterordnen mehr unter die Meinung anderer, die Ihnen sagen wollen, was sie leisten können und was nicht. Und nie wieder zulassen, dass andere sie in Schubladen stecken, in sinnlose Kategorien wie Geschlecht, Rasse, wirtschaftlicher Status und Religion. Lassen Sie ihre Talente nicht schlummern, Ladys. Gestalten Sie ihre eigene Zukunft. Fragen Sie sich, wenn Sie heute nach Hause gehen, was Sie ändern wollen. Und dann legen Sie los.”