Veranstaltungsreihe gegen Repression

Liebe Genoss*innen, Gefährt*innen, Freund*innen, …

Menschen, die für ein selbstbestimmtes Leben, für eine herrschaftsfreie Gesellschaft, gegen Faschismus, Polizeigewalt oder Rassismus kämpfen, sind ständig staatlicher Repression ausgesetzt. Mit Gesetzesverschärfungen, Hausdurchsuchungen, Prozessen und Gefängnisstrafen sollen die Menschen eingeschüchtert und davon abgehalten werden, die bestehende Ordnung in Frage zu stellen oder grundsätzliche gesellschaftliche Veränderungen zu erkämpfen.

Im späten Sommer und Herbst 2022 soll im AJZ und der Bürger*innenwache mit einer Reihe von Diskussions- und Informationsveranstaltungen auf aktuelle Repressionsfälle aufmerksam gemacht und gleichzeitig auch nach Möglichkeiten und Wegen gesucht werden, wie der Repression kollektiv begegnet werden kann.

Redebeitrag “Menschen über Profite – Hoch die Solidarität”

Liebe Freund:innen,
wir freuen uns, Teil des Bündnisses zu sein und mit Euch gemeinsam und selbstorganisiert auf die Straße zu gehen. Gerade in diesen schwierigen Zeiten ist es wichtig, Grenzen hinter uns zu lassen und zusammenzuarbeiten, denn am Ende haben wir alle das gleiche Ziel: Ein gutes Leben für alle. Und dafür müssen wir dieses System, das dem entgegensteht, gemeinsam überwinden.

Wir erleben, dass sich der Kapitalismus von Krise zu Krise hangelt und Geld als Schmiermittel braucht, um Wachstum zu generieren, um sich selbst zu erhalten, um uns alle einschließlich des Planeten zu missbrauchen, zu benutzen und letztendlich zu töten. Und was tun wir dagegen?

Wir sind Mitglieder in der Freien Arbeiter:innen-Union, der F A U, einer basisdemokratischen und kämpferischen, selbstorganisierten und internationalistischen Gewerkschaft. Wofür wir stehen, das werden wir immer wieder einflechten und zum Schluss ausführlicher darstellen.

Geld…
ist eine schwierige Sache, zu der wir ein zwiespältiges Verhältnis haben. Einerseits wollen wir es abschaffen, andererseits sind wir momentan noch davon abhängig und leiden darunter, dass wir oft zu wenig davon haben.

Aber wir alle brauchen es, um Lebensmittel zu kaufen, die Miete zu zahlen, zur Arbeit zu kommen, ins Kino zu gehen und unser Leben zu genießen.

Ohne sind wir arm dran, können all dies nicht oder nur eingeschränkt machen und sind abhängig von staatlichen Leistungen und damit auch der Willkür des Staates.

Und noch können wir es nicht komplett durch gegenseitige Hilfe, Umsonst-Läden, Food-Sharing, Containern, eigene Kunst und DIY ersetzen.

Geld…
ist das Schmiermittel des Kapitalismus, es muss immer mehr Profit generiert werden, Wachstum ist das Mantra der Liberalen seit Jahrhunderten. Doch dieses Wachstum kommt den Menschen, die es produzieren, nicht zugute. Im Gegenteil, Leben und Lebensglück fast aller Lebewesen auf diesem Planeten werden der Anhäufung von Profiten untergeordnet.

Sozialpartnerschaftliche Gewerkschaften setzen hier immer auf den alten Gaul „Lohnsteigerung“ mittels Verhandlungen mit den Bossen und auf Tarifverträge. Sie halten das kapitalistische System mit am laufen, anstatt es zu stören oder sogar abzuschaffen, indem sie die Arbeiter:innen mit vermeintlichen “Verbesserungen” befrieden. Alle paar Jahre fordern sie ein paar Prozente mehr, also mehr Geld. Doch was heißt das?

Die Kolleg:innen die wenig verdienen, profitieren von prozentualen Erhöhungen immer weniger, als die, die mehr verdienen. Das ist die 1.Schweinerei, da die Lohnunterschiede mit jedem Tarifabschluss steigen. Die Schere zwischen besser und wenig Verdienenden klafft immer weiter auseinander.

Dies ist politisch fatal, wir Arbeiter:innen werden gespalten. Dagegen helfen nur Forderungen nach absoluten Lohnerhöhungen in Euro, besser noch gestaffelt. Auf diese Weise kann die Schere zwischen Armen und Ärmeren direkt angegangen werden, durch nicht nur gefühlte, sondern tatsächliche, reale Entlohnung für die wichtigen, aber gesellschaftliche verkannten Berufe – Gleicher Lohn für alle, da alle gleich wichtig sind.

Die Schere zwischen besser und wenig Verdiener:innen könnte sich allmählich schließen. Aber da haben weder die Bosse noch DGB-Funktionär:innen ein Interesse dran: Teile und herrsche lautet da immer noch die Devise!

Wir sollten nicht akzeptieren, dass die Eigentümer:innen der Produktionsmittel den von Arbeiter:innen erzeugten Mehrwert abschöpfen, sondern dafür kämpfen, dass diejenigen, die den Mehrwert erzeugen, ihn auch behalten können!

Die 2. Schweinerei sind die Laufzeiten der Tarifverträge. Mittlerweile gehen diese über mehrere Jahre, ganz gleich ob in der Metallindustrie, im Krankenhaus, im Büro oder im Handwerk. Da werden dann, wie jüngst bei der IG-Metall 6,8% Lohnerhöhung als Erfolg verkauft. Beträgt die Laufzeit allerdings 2 Jahre, bedeutet das rein rechnerisch, dass wir nur eine Erhöhung von 3,4% jährlich haben, und bei einer Inflation von ca. 8% heute bedeutet dies einen Reallohnverlust von über 4%!

Das Tarifvertragsrecht gibt uns die Sicherheit, dass dieser Tarifvertrag über die vollen 2 Jahre gültig ist, sagt aber auch, dass wir nicht kurzfristig und schnell auf Veränderungen reagieren können – und dürfen! Pech gehabt, wenn du deine Nachzahlungen auf die Warmmiete Anfang nächsten Jahres nicht zahlen kannst. Da heißt es EINSCHRÄNKEN!

Die nächste Schweinerei: wir dürfen nicht streiken, um unseren berechtigten Forderungen nach mehr Geld kurzfristig Nachdruck zu verleihen – Auch wenn ver.di (im Juli 2022) postet: „Streiks sind zulässig! – Du darfst streiken!“

Das ist so nicht immer richtig, da wir bis Ablauf des Tarifvertrages nicht streiken dürfen. Das nennt sich „Friedenspflicht“ und heißt, dass wir nicht auf sich ändernde gesellschaftliche Situationen reagieren können, nicht auf die Inflation, nicht auf Verschlechterungen der Situation im Betrieb, nicht auf das, was durch den Tarifvertrag erfasst ist, z.B. die Pflicht zur Ableistung von Überstunden.

Wir sehen also, dass Tarifverträge sehr 2-schneidige Instrumente sind, die uns vor An- und Übergriffen der Bosse schützen sollen, dies aber nicht immer tun, denn wenn sich z.B. der gesellschaftliche Rahmen ändert oder die Chef:innen einen Weg finden, die Einigungen zu umgehen, sind wir dieser Situation ausgeliefert.

Ich könnte auch noch mehr dazu sagen, wie „demokratisch“ Tarifverträge zustande kommen, dass zwar 75% der Mitglieder der DGB-Gewerkschaften für einen Streik, aber nur 25% für sein Ende und damit die Annahme des neuen Tarifvertrages, egal wie beschissen der ist, stimmen müssen. Aber das muss bis hier erstmal reichen.

Wofür steht nun die Freie Arbeiter:innen-Union, die FAU, als politische Gewerkschaft?
Unser Grundsatz ist der altbekannte aus der Arbeiter:innen-Bewegung: Wir bekommen nur das, wofür wir kämpfen. Das tut keine Partei, kein:e Funktionär:in oder höheres Wesen für uns. Ein WIR gibt es erst, wenn wir uns zusammenschließen, in der Gewerkschaft organisieren und dem Klassenkampf von oben unsere Solidarität entgegensetzen – Das kann gerne auch anfangen, indem ihr mal am Montag zwischen 16 und 18 Uhr zur gewerkschaftlichen Beratung kommt, wenn ihr Stress auf der Arbeit oder beim Amt habt, oder einfach auf Kaffee oder Tee ins Lokal vorbeikommt.

In den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl der Mitglieder in der FAU bundesweit ungefähr ver-6-facht. Wir führen selber Verhandlungen mit den Bossen, wir schreiben nicht einfach folgenlos Forderungen auf Papier, wir ändern die Wirklichkeit, verbessern unseren Alltag, unsere Arbeitsbedingungen. Wir streiken in kleinen Betrieben, mit wenigen Mitarbeiter:innen, egal, ob Blumenladen oder Kneipe. Wir organisieren Streiks in Konzernen mit, wie letztes Jahr bei der Oetker-Tochter „Durstexpress“ – heute übrigens als „Flaschenpost“ bekannt – das heißt, wir stehen zusammen gegen miese Arbeitsbedingungen, lange Schichten, Überstunden ohne Ende und Bezahlung, ausstehende Löhne, Kündigungen, Kürzungen des Urlaubs usw.

Oft sind es gerade die Arbeitsbedingungen, die unser Leben kaputt und uns krank machen, uns vereinzeln, wenn wir abends müde ins Bett fallen und uns nicht mehr mit Freund:innen treffen können, nicht am sozialen und politischen Leben teilnehmen können. Das ist die nächste Schweinerei.

Willkommen in der realen Welt kapitalistischer Lohnarbeit. Da hilft kein Tarifvertrag, wenn der Boss sagt, dass du heute länger bleibst, und das auch noch umsonst. Und auch kein:e ver.di-Funktionär:in. Da hilft nur organisieren und streiken, kämpferische und basis-demokratische Betriebsgruppen und Gewerkschaften gründen.

Wir laden euch ein, werdet Mitglied in der FAU. Wir kämpfen zusammen für ein besseres Leben für alle, weltweit, ohne Staaten, Grenzen, Patriarchat und Kapital! Das ist unsere Solidarität! Kapitalismus tötet, entmenschlicht uns und macht uns zu Faktoren in seinen Berechnungen, um möglichst viel Profit aus uns zu quetschen. Lasst uns solidarisch dagegenstehen, denn uns gehen Menschen vor Profiten!

Zum Schluss möchten wir noch ein Zitat aus dem empfehlenswerten Buch „Eine Frage der Chemie“ von Bonnie Garmus anbringen. Darin geht es um eine Wissenschaftlerin, Chemikerin, die von der Männerwelt geschasst, vergewaltigt und aus der Uni vertrieben wird und als Chemikerin in einer Kochsendung im Fernsehen landet, denn Kochen ist Chemie! Sehr interessant, bissig, humorvoll und krass!

Zuletzt schmeißt sie die Brocken im TV aber hin, mit flammenden Abschiedsworten an ihr vorwiegend weibliches Publikum, live im Studio:

“Wenn Selbstzweifel Sie beschleichen”, sagte sie und wandte sich wieder dem Publikum zu, “wenn die Angst sie packt, denken Sie immer daran, dass Mut der Grundstein für Veränderung ist. Und wir sind chemisch dazu angelegt, uns zu verändern. Fassen Sie also morgen beim Aufwachen folgenden Vorsatz: Keine falsche Zurückhaltung mehr. Kein Unterordnen mehr unter die Meinung anderer, die Ihnen sagen wollen, was sie leisten können und was nicht. Und nie wieder zulassen, dass andere sie in Schubladen stecken, in sinnlose Kategorien wie Geschlecht, Rasse, wirtschaftlicher Status und Religion. Lassen Sie ihre Talente nicht schlummern, Ladys. Gestalten Sie ihre eigene Zukunft. Fragen Sie sich, wenn Sie heute nach Hause gehen, was Sie ändern wollen. Und dann legen Sie los.”

Demo am 30.07.: Menschen über Profite – Hoch die Solidarität

Der Weg in den Supermarkt war noch nie so frustrierend wie aktuell. Gefühlt können wir den Preisen beim Steigen zuschauen. Auf der anderen Seite unser Einkommen, das irgendwie von Inflation gar nichts zu merken scheint. Wo landet das Geld, das wir mehr zahlen, das aber nicht wieder bei uns ankommt?

Im vergangen Jahr haben deutsche Konzerne einen neuen Rekord aufgestellt: Die Ausschüttung von Dividende an ihre Aktionär*innen war so hoch wie noch nie. Für das Jahr 2022 wird je nach Prognose nochmal von 50% mehr ausgegangen. Trotz Corona und Krieg geht es den Konzernen offenbar blendend. Dank uns.

Damit die saftigen Profite auch weiterhin so bleiben, hat beispielsweise Dr. Oetker bereits weitere Preissteigerungen angekündigt. Und ist damit nicht alleine. Die Bundesregierung ändert nun Gesetze, damit Energiekonzerne ihre Mehrausgaben auf uns auslagern. Die Mehreinnahmen bleiben selbstverständlich bei den Konzernen.

Steigen unsere monatlichen Kosten also aus Solidarität mit den Menschen in der Ukraine? Sicher nicht. Wir müssen blechen, damit auf Aktionärsversammlungen weiterhin der Schampus fließt.

Hoffnungen in ein 100 Mrd. Sonderbudget für UNS wurden von der aktuellen Regierung bereits beantwortet. Wirtschaftsminister Robert Habeck sagt: „Die kriegst du nicht, Alter!“. Während die Abgeordneten sich eine Diätenerhöhung gönnen, läuft es bei uns also auf klassische Diäten hinaus. Niemand hat uns gefragt, ob wir überhaupt für Konzernprofite und Rekord-Dividenden sorgen wollen, aber dass wir den Gürtel enger schnallen müssen, wurde bereits entschieden.

Wir haben keine Lust auf Diät oder vorgegebene Duschzeiten! Wir wollen im Winter nicht frieren und dafür trotzdem mehr zahlen! Wir wollen uns Allen das Leben leisten können und nicht Wenigen ihren Überfluss!

Unsere Solidarität gilt nicht den Aktionär*innen, sondern allen, die unter den steigenden Preisen leiden. Sie gilt nicht den Rüstungskonzernen, sondern den Menschen, die vor Krieg und Hunger fliehen, egal wo.

Kommt am 30.07.22 um 15 Uhr zur Demonstration am Hauptbahnhof und ab 17 Uhr zum Straßenfest auf dem Kesselbrink. Es gibt “Küche für alle”, niemand muss zahlen!

Via: https://www.instagram.com/igkm_bielefeld/

Auch die FAU Bielefeld wird anwesend sein und sowohl einen Redebeitrag, der eine gewerkschaftliche Antwort auf die momentane Krise bietet, bei der Demo halten, als auch einen Infostand mit Büchern und Produkten aus dem solidarischen Handel auf dem Straßenfest anbieten.

Veranstaltung: Antikurdischer Rassismus in deutschen Medien

Am 11.08.2022 findet um 18 Uhr die Infoveranstaltung “Antikurdischer Rassismus in deutschen Medien” im IBZ Friedenshaus in der Teutoburger Str. 106 statt. Der Vortrag wird vom IBZ in Kooperation mit der Initiative für Frieden und Hoffnung in Kurdistan organisiert.

Die Referentin Liza Koç wird im Rahmen des Vortrags über antikurdischen Rassismus reden, der in den deutschen Medien vielfach reproduziert wird. Sie beleuchtet dabei die Ursachen und Auswirkungen der Nutzung unterschiedlicher Begriffe, die antikurdischen Rassismus und Angriffe gegen Kurd*innen fördern und verweist auf Lösungsansätze. Die kurdischstämmige Referentin studiert Rechtswissenschaften an der Universität Bielefeld und ist vielfach gesellschaftspolitisch engagiert.

Queere FAU-Kneipe am 10.06. ab 20 Uhr

Am Freitagabend vor dem CSD findet ab 20 Uhr die erste FAU-Kneipe in unserem Lokal in der Metzer Straße 20 statt! Dem Anlass entsprechend spielen wir explizit queere Songs und Klassiker der Bewegung.

Unseren anarcho-syndikalistischen Idealen entsprechend sind Eintritt, Getränke – wir bieten Limo und Bier – und Knabberkram gratis, über Spenden würden wir uns aber freuen, um solche Veranstaltungen in Zukunft öfter machen zu können.

53 Jahre sind seit dem Stonewall-Aufstand vergangen, aber der Kampf für Selbstbestimmung ist noch lange nicht vorbei!

Nicht nur explizit rechte Parteien sondern auch die Grünen und die Linkspartei schieben vergnügt Menschen ab, darunter auch queere Personen. Durchschauen wir ihre Doppelmoral und kämpfen wir für eine wirklich offene Welt für alle – egal, welches Geschlecht, welche Orientierung oder welche Herkunft eine Person hat.

Nur wir selbst können uns befreien und uns das schöne Leben erkämpfen! Gegen Staat, Kapital, Parteien und Queerfeindlichkeit!

SAC-Kongress: “Ich habe viel Energie gewonnen”

Vom 12. bis 15. Mai fand der XXXIII. Kongress der SAC seit ihrer Gründung im Jahr 1910 statt, auf dem eine neue Ausbildungsinitiative und eine klarere Grundsatzerklärung beschlossen wurden.

Die Sjömanskyrkan [Seemannskirche] befindet sich direkt neben dem Hauptbahnhof von Gävle. Das gelbe und rote Backsteingebäude wird nicht mehr als Kirche genutzt und dient jetzt unter anderem als Proberaum und Musikstudio.
Vom 12. bis 15. Mai fand in dem Gebäude der XXXIII. Kongress der SAC seit ihrer Gründung im Jahr 1910 statt, an dem Delegierte und Vertreter*innen der lokalen Gewerkschaftsorganisationen, LS, teilnahmen.

Quelle: https://twitter.com/FAU_Leipzig/status/1525934834476101639?t=IOEzVznXUKqlxo_ZuxUhnA&s=19

Es ist das erste Mal, dass Wil Geier von der LS Uppsala der SAC am
Kongress teilnimmt.

– Es ist ein berauschendes Gefühl, hier zu sein, und ich bin
begeistert. Es war großartig, Leute aus anderen LS zu treffen und
zu sehen, welche Erfahrungen und Aktivitäten sie in ihren operativen
Abteilungen gemacht haben, sagt er.

Während des Kongresses werden die eingereichten Anträge behandelt und Fragen zur Ausrichtung der SAC im kommenden Kongressjahr gestellt – unter anderem auch Grundsatz- und Organisationsfragen.

Der Kongress ist das höchste Entscheidungsgremium der SAC und findet normalerweise alle drei Jahre statt. Auf dem diesjährigen Kongress wurde jedoch beschlossen, dass er künftig alle vier Jahre stattfinden soll, da dies “den Funktionär*innen mehr Zeit gibt, sich mit ihren Aufgaben vertraut zu machen, und gleichzeitig Geld für andere Dinge freisetzt”.

Auch ein Vorschlag für eine gemeinsame Bildungsleiter mit einer feministischen Schiene wurde angenommen. Die Idee ist, dass die Kurse, die die SAC bereits für Mitglieder und gewählte Vertreter*innen anbietet, in einem Kurspaket zusammengefasst werden, wobei die Kurse von einem grundlegenden bis zu einem fortgeschrittenen Niveau reichen.

Während des Kongresses wurde auch das neue Zentralkomitee (CK) ernannt. Ein neugewähltes Vorstandsmitglied ist Alexandra Fransson aus der LS Jönköping der SAC. Sie sagt, dass sie ihre Erfahrungen aus einer etwas kleineren LS einbringen möchte, aber auch Erfahrungen aus ihrer früheren Tätigkeit im CK hat.

– Es ist eine gute Gruppe, die gewählt wurde, und ich denke, wir werden im kommenden Kongressjahr viel erreichen. Besonders spannend finde ich die Arbeit an der abgestimmten Bildungsleiter für den Wissensausgleich, sagt sie.

Auch internationale Vertreter*innen waren in Gävle anwesend. Anna, David, Jürgen und Veit sind Mitglieder der deutschen anarchosyndikalistischen Föderation Freie Arbeiter*innen-Union, FAU.

– Wir sind hier, weil es wichtig ist, internationale Kontakte innerhalb der syndikalistischen Bewegung zu knüpfen. Gerechter Internationalismus und die Überwindung nationaler und sprachlicher Grenzen ist ein Grundprinzip des Anarchismus, sagt Anna, die Mitglied des Internationalen Komitees der FAU ist.

Sie sagen, die FAU sei in den letzten Jahren erheblich gewachsen.

– Das liegt vor allem daran, dass wir mehrere große Arbeitsplatzkonflikte ausgelöst haben, über die in den großen linken Zeitungen des Landes berichtet wurde.

Erik Bonk ist weiterhin Generalsekretär der SAC. Er wurde während des letzten Kongresses gewählt und sagt, er habe einige Zeit gebraucht, um sich an die Arbeit zu gewöhnen.

– Aber jetzt fange ich an, mich warm zu fühlen, und es fühlt sich gut an, weiter an der Entwicklung der Organisation zu arbeiten. Langfristig denke ich, dass mensch sich mehr auf konkrete betriebliche und sektorale Organisierung konzentrieren muss, sagt er.

Im Jahr 2012 beschloss der Kongress, dass die SAC innerhalb von 15 Jahren 40.000 Mitglieder erreichen soll. Zurzeit liegt die Zahl der Mitglieder weit darunter. Wie wird die SAC sicherstellen, dass sie in Zukunft die Gewerkschaft der Wahl für immer mehr Arbeiter*innen wird?

– Ich denke, es ist der falsche Weg, sich ausschließlich auf das Wachstum zu konzentrieren. Wir müssen uns darauf konzentrieren, unsere Kolleg*innen zu organisieren und die Mitglieder, die wir bereits haben, besser zu halten, sagt er.

Auf dem letzten Kongress im Jahr 2018 wurde die Frage diskutiert, wie sich eine Einschränkung des Streikrechts auf die SAC auswirken würde. Im Sommer 2019 wurde die Beschränkung verabschiedet. Wie hat sich dies auf die SAC ausgewirkt?

– Es hat nicht zu einem großen Mitgliederschwund geführt. Es hat uns vielmehr dazu veranlasst, neue Wege zu gehen, um andere Instrumente für den Kampf am Arbeitsplatz zu finden, sagt Erik Bonk.

Während desselben Kongresses im Jahr 2018 wurde beschlossen, die Statuten der Organisation zu überarbeiten, und zwar nicht in Bezug auf die Ideologie, sondern um die Statuten sprachlich zu vereinfachen, aber auch um die Zuständigkeiten klarer zu definieren. Während des diesjährigen Kongresses wurde der Vorschlag für die neue Satzung mit einigen geringfügigen Korrekturen angenommen.

Auf dem diesjährigen Kongress wurde auch eine neue und klarere Grundsatzerklärung für die SAC angenommen.

Für Cecilia Ylipää, Göteborger LS der SAC, war es der erste SAC-Kongress, und sie sagt, dass sie jetzt ein anderes Bild von der SAC hat.

– Es ist eine viel lebendigere Organisation, als ich vorher dachte. Dass so viele von uns auf dem Kongress waren, dass viele von uns auf der Tribüne saßen, dass es aufgeladene und intensive Debatten gab. Ich habe das Gefühl, dass es eine Richtung gibt, einen Willen und eine Bewegung nach vorne, sagt sie.

Elme Ämting von der Sundsvall LS sagt, dass die Sundsvall LS seit langem am Rande steht und dass sie sich in den letzten Jahren entschieden hat, nicht am Kongress teilzunehmen, da sie mit ihren eigenen Geschäften sehr beschäftigt war. Aber das wird sich in Zukunft ändern, sagt sie.

– Ich habe das Gefühl, dass es sich gelohnt hat, an diesen Tagen teilgenommen zu haben. Ich habe viel Energie und ein gutes Gefühl für die Organisation und meine Kolleg*innen gewonnen, sagt Elme Ämting.

Original: https://www.arbetaren.se/2022/05/17/sac-kongressen-jag-har-fatt-med-mig-mycket-energi

Filmvorführung am 20.05.: The Other Side Of The River

Am 20. Mai 2022 wird in der Volkshochschule Bielefeld der Film „The Other Side Of The River“ ausgestrahlt. Die Filmvorführung ist eine Zusammenarbeit der Initiative für Frieden und Hoffnung in Kurdistan, der FAU (Freie Arbeiter:innen Union) Bielefeld und des Fem*Ref Bielefeld (Feministisches Referat an der Universität Bielefeld).

Inhaltlich dreht sich der Film um die Geschichte der 19-jährigen Hala, die einer durch ihre Familie arrangierten Ehe entkommt, indem sie den Fluss Euphrat überquert, um bei einer kurdischen Frauenverteidigungseinheit ein neues Zuhause zu finden – eine Einheit, die darauf ihre Heimatstadt Minbij (Nordsyrien/Rojava) von der Terrorherrschaft des sogenannten Islamischen Staates befreit. Der Film zeigt, welchen Schwierigkeiten Hala in ihrem Prozess gegenübersteht und legt den Fokus darauf, die Arbeit und die Kommunikation nahezu ausschließlich mit Frauen* zu zeigen. Es geht primär um eine junge Frau, die sich einem vorgeschriebenen Leben widersetzt und mit den Werten Emanzipation, Freundschaft und Selbstorganisierung in Berührung kommt.

Außerdem bieten wir einen Infotisch an, auf dem Bücher und Broschüren zum Thema der kurdischen Bewegung und zur Selbstorganisierung im Allgemeinen angeboten werden.

Wir möchten bei der Vorführung auf ein Eintrittsgeld verzichten und auf Basis von Spendengeldern arbeiten.

Wir freuen uns zudem darüber, wenn ihr euch vorher testet und empfehlen das Tragen einer Maske, die Einhaltung des Sicherheitsabstandes und bei Krankheitssymptomen nicht teilzunehmen.

Einlass: 18:30 Uhr, Beginn: 19:00 Uhr

Mehr zur Regisseurin: https://www.antoniakilian.com/

Mehr zum Film: https://jip-film.de/the-other-side-of-the-river

Wir freuen uns auf euch!

Der 1. Mai 2022 in Bielefeld

Schön war er, aber auch bitter nötig: Der diesjährige 1. Mai in Bielefeld. Erst auf der Straße demonstrieren, dann auf der Straße rund ums FAU-Lokal feiern, sprechen, schnippeln, essen und sich anschließend dem kulturellen Programm widmen. Natürlich alles selbstorganisiert und ohne Chef:innen, Staat und Sozialpartnerschaft. Allen Künstler:innen, Helfer:innen, Besucher:innen wollen wir Danke sagen!

Angefangen hat die Demonstration auf dem Siegfriedplatz, wo eine Rede gehalten wurde, in der thematisiert wurde, inwiefern Staat und Kapitalismus zu unserer Unterdrückung beitragen und welche Forderungen wir als Lohnabhängige stellen können, um unsere Situation im Hier und Jetzt zu verbessern und auf die endgültige Umwälzung des Systems hinzuarbeiten.

Danach ging es los durch die Innenstadt in Richtung FAU-Lokal, “bewaffnet” mit zwei Transparenten, zahlreichen Fahnen, vielfältigen Demosprüchen und einer gehörigen Portion Motivation.

Kaum war der Demozug im Lokal der FAU Bielefeld angekommen, gingen die Vorbereitungen für das Stadtteilfest auch schon los – und alle, Besucher:innen wie Organisator:innen – haben dabei mitgeholfen, die Pavillons, Bänke und Musikanlage aufzubauen und schließlich das Gemüse zu schnippeln, das anschließend verkocht und von allen genossen wurde.

Nach der Stärkung ging es auch schon mit dem kulturellen Programm los: Es gab gleich vier musikalische Acts, darunter das Duo Close.Your.Eyes und die neu gegründete Band Terrorplätzchen, die die Zuschauer:innen begeistert haben. Auch Literatur durfte nicht fehlen, denn Ralf Burnicki hat alte und neue Anarcho-Poetry, darunter auch Stücke aus seinem neuen Buch “Lichtaspirin”, vorgestellt.

Auch als die letzten Klänge der Instrumente und der lesenden Stimme verklungen sind, war das Stadtteilfest trotzdem noch nicht zuende, denn es wurde weiterhin geplaudert, diskutiert und auch beim Abbau gab es wieder zahlreiche helfende Hände!

Dieser Tag hat uns wieder einmal gezeigt, was wir erreichen können, wenn wir zusammenkommen und ein Projekt in Selbstorganisation auf die Beine stellen. In diesem Sinne: Another world is possible und herzlichen Dank an alle Teilnehmenden!